The Phantom of the Kanzlerkeller

Löffler erwachte aus seiner Rückblende und sah die Spin Doctress vorwurfsvoll an, die noch einmal zurückgekommen war. "Ich kann nicht singen," meinte er noch einmal, "und die ganze Idee ist hirnrissig."
"Natürlich," pflichtete sie ihm lässig bei, "nichtsdestotrotz... singen Sie..." Einen Moment lang drückte sie sich an ihn. "Kommen Sie schon. Je eher wir hier raus sind, desto besser."
Damit verschwand sie endgültig. Wellie sah ihr hinterher.
"Klappe." meinte Löffler vorsichtshalber und gab Wellie noch einmal die Wasserflasche. Es schien Wellie zu beruhigen, und Löffler probierte vorsichtshalber auch. "Aaaaaaargh." Er zuckte zusammen. "Wodka."
Wellie lächelte und sah auf die tote Brieftaube. "Was sollen wir singen?", nuschelte er undeutlich.
Löffler sah ebenfalls auf die Taube. Dann blickte er sich um, nahm eine herumliegende Plane (Machte hier niemand sauber? Wo waren die 1-Euro-Kräfte?) und riss sie in zwei Hälften, er zerdepperte schnell noch einen weißen Blumentopf und hielt Wellie jeweils eine Hälfte von Plane und Blumentopf hin. "Wenn wir hier schon singen, dann wenigstens standesgemäß." Er nickte. "Gegen uns wird das Phantom der Oper blass aussehen." Er warf sich die Plane um den Körper, hielt sich den halben Blumentopf wie eine Maske vors Gesicht und begann zu singen.

"Sie haben es endlich geschnallt." Die Spin Doctress seufzte erleichtert. "Leute, jetzt ist es an uns. Irgendwo hier ist Bröckmann."
"Ich verstehe immer noch nicht, worum es hier eigentlich geht. Eigentlich müsste ich heute zum Sport oder lernen.", murrte Eggy und zupfte wie üblich an seinen frisch gefärbten Haaren herum.
"Hey, das hier ist wichtig.", meinte MP und zog sicherheitshalber seine Handschuhe an. "Immerhin wird hier irgendwo jemand gefangen gehalten."
"Na und? Überall werden Leute gefangen gehalten."
"Ach ja, die Menschenrechte...", sinnierte Platon, der immer noch am liebsten eine neue Struktur für diese Aktion ausgearbeitet hätte. Er wiederholte damit die Worte des Kanzlers zum Thema China, was ihm aber egal war.
"Hört mal, wir müssen hier den Typen befreien, okay?" Die Spin Doctress seufzte erneut. Im Hintergrund trällerte Löffler gerade zu der Musik von "The Phantom of the opera" ein "Die Bürgerrechte sind für uns jetzt da". Es klang wie ein Kojote, und Wellies "wowowow" passte nicht dazu, dennoch schien es die Insassen der Kanzlervilla in Sicherheit zu wiegen.
"Warum eigentlich?", fragte Eggy entnervt. "Hast Du was mit dem Typen?"
Eggys Eifersucht war mittlerweile sprichwörtlich - selbst ein "Guten Tag" einer Bekannten gegenüber deren Bekanntem brachte ihn auf die Palme, so dass die Frauen um ihn herum prinzipiell nur noch in Burka herumliefen, was ihm selbst jetzt eine dauerhafte Beobachtung des Verfassungsschutzes eingebracht hatte.
Aber die Spin Doctress war viel zu aufgeregt, als dass sie jetzt noch auf Eggy oder einen der anderen achtete. "Wir müssen in den Keller.", zischte sie und robbte vorwäerts. Eigentlich gab es keinen Grund zu robben, aber es sah halt einfach gut aus, und deshalb robbte sie. Die anderen warfen sich neben ihr auf den Boden (Eggy quittierte das mit einem "mein armer Bauch - dabei habe ich gerade heute erst Sport getrieben", wurde aber ignoriert) und robbten ebenfalls vorwärts. Und dann sahen sie es. Im Keller brannte noch Licht. Und im Licht bewegten sich die Justizministerin und die Kanzlergattin, zwischen ihnen der sichtlich angeschlagene Bröckmann, dessen Hände zwischen den Schenkeln der Frauen baumelten.
"Wir müssen losschlagen."
MP gab ihnen allen eine kleine Tasche. Etwas Glitschiges wieselte darin herum. "Todesfische," meinte MP düster, "tagelang mit TNT gefüttert."
"Das sind meine Fische!" Eggy schrie auf, wurde jedoch von MP mit einem gezielten Tritt zur Ruhe gebracht. "Stell Dich nicht so an."
Ja, es gab kein Zurück, sie mussten Broeckmann befreien - jetzt!
Und im Hintergrund sangen die Phantome des Kanzlerkellers, sangen Wellie und Löffler, noch immer aus voller Kehle - diesmal zur Musik von Eminems Mosh.
"Ich glaube, ich hab den falschen Text in die Taube gelegt.", murmelte Eggy, und alle seufzten kollektiv, während Löffler sein Bestes gab, um trotz Plane und Blumentopfrest einen überzeugenden Rapper darzustellen.

Komm doch her, lies den Text, den ich schnell mal heute Nacht schrieb."
Denn ich geb Dir genug Fehler, um noch schnell mal zu meckern und-
Die Spin Doctress schloss kurz die Augen. Scheinbar hatte Löffler nicht widerstehen können und seinen eigenen Text genommen. Aber jetzt hatten sie keine Zeit zum Nachdenken, jetzt hieß es... voran. "Irgendeiner muss jetzt leider in den Keller. Und das geht wohl nur durch das Fenster." Sie grinste Eggy an. "Guten Flug." Damit stieß sie ihn durch das große Kellerfenster.
"Scheiße, der Kanzler!", brüllte im gleichen Moment die Kanzlergattin.

>> Burn motherfucker, burn...


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