Ein wenig Bi

"Sir..." Der Chauffeur hielt die Limousine an und wartete respektvoll mit dem Rest des Satzes, bis sich sein Chef aufgesetzt hatte. Darius McBreit lächelte, verschüttete etwas von dem teuren schottischen Whisky und zog dann sein schwarzgraues Jackett zurecht.
"Wir sind da?," fragte er gähnend. "Ich sehe gar keine Pinguine."
"Sir", wieder das respektvolle Warten, "Sir, Sie erinnern sich? Es geht diesmal nicht um Pinguine oder darum, dass man Ihnen einen Teil Ihrer Telefonnummer gestohlen hat."
"Diese Schweine!" McBreit ballte die Faust. "Was fällt ihnen ein, den Teil mir der 36 zu klauen und in ihre eigene Telefonnummer zu integrieren? Aber ich lasse das nicht mit mir machen, ich nicht." Er deutete auf seinen Koffer, den er schon viel zu oft verloren hatte und deshalb mit einer Plüschhandschelle an seinen Arm gekettet hatte. "Hier sind die Beweise." Er sackte in seinen Sitz zurück und zupfte an seinem schwarzen Haar.
"Sicher, Sir, sicher," beschwichtigte ihn der Chauffeur, "aber hier ging es nicht darum, Sie erinnern sich? Sie wollten doch diese Frau finden und-"
"Richtig..." McBreit seufzte. Er hatte sich gelangweilt in den letzten Monaten. Die ewigen Klagen und Verdrehungen, er hatte es satt, und es befriedigte ihn nicht mehr. Als er also einen dieser Softwarefrickler genug unter Druck gesetzt hatte, um wenigstens kurzfristig einen Moment des Glücks zu verspüren, hatte dieser plötzlich irgendetwas von einer Verschwörung gefaselt und dann ein Video gezeigt, das mit einer eindeutig unter diesem Kommunismussoftwaresystem laufenden Software erstellt worden war. Und in jenem Moment hatte das Herz des klagophilen Schotten einen Sprung gemacht, und er wusste: Er musste Titty de la Puss kennenlernen, denn wer selbst bei einem Blowjob bei einem derart abstoßenden Typen so wunderhübsch aussah, der war genau die richtige Frau für ihn, so gut wie er selbst aussah.

"Bi." McBreit sah auf die Nummernschilder der Autos. "Bi."
"Sie ist bi, Sir?"
"Nein, Bi... Bielefeld eben." McBreit seufzte. "Ich hätte nicht gedacht, dass es diesen Ort wirklich gibt.
"Dort drüben trägt jemand ein T-Shirt mit dem L-Wort..."
Darius stellte die Whiskyflasche beiseite. "Wir haben keine Zeit für Vergnügen.", sagte er bedauernd. "Wir müssen irgendwie diese Frau finden. Der Frickler meinte, sie würde bei diesem Verschwörungstheoretikerkongress auftauchen."
"Sehr wohl, Sir." Der Chauffeur ließ den Wagen an und fuhr zu dem geheimnisvollen grauen Haus, das die Veranstalter des Kongresses geschickt getarnt hatten. Lediglich die Schilder "Dies ist der geheime Veranstaltungsort" ließen erahnen, was vor McBreit und seinem Chauffeur lag.

McBreit stieg aus und sah sich um. Er fühlte sich einsam und ziemlich betrunken, aber das war normal. Auch dass er sich bedroht fühlte, war normal. Neu war aber, dass er sich seltsam erregt fühlte, wie ein Fuchs, der ein Huhn wittert. Er drehte sich um, und im gleichen Moment hetzte Titty de la Puss, deren Kleidung kaum mehr zusammenhielt, an ihm vorbei, gefolgt von den beiden Hackern. Platindämon schwang das Krumschwert. McBreit überlegte nicht lange und schmiss seinen Koffer zwischen Titty und deren Verfolger. Bedauerlicherweise hatte er vergessen, dass er an dem Koffer hing, und so segelte er wenig elegant auf die beiden Hacker zu und landete mitsamt des Koffers auf dem Platindämon. Kaum hatte dieser erkannt, wer sich auf ihm befand, begann er auch schon zu schreien. Es gab wenig, was Platindämon in Angst versetzte. Innenminister, tote Tiere im Briefkasten, Morddrohungen, schlechtes Gras... das war alles eine Kleinigkeit. Aber Darius McBreit "in person"? Das war zuviel. Das war es nicht wert, keinesfalls. "Wir müssen fliehen.", zischte der Dämon, griff Haxxxors Hand und zerrte ihn mit sich. McBreit sah den beiden hinterher und rappelte sich mühsam auf.

"Sie sind ja hingefallen." Tittys Intelligenzschub ließ langsam aber sicher nach, und ihre angeborene Intelligenz und ihr Scharfsinn gewannen die Oberhand. "Und Sie sind ein Mann."
Darius McBreit zog seine rote Krawatte zurecht. "Ja." Er schlüpfte aus seiner Anzugjacke und hielt sie Titty hin. "Kommen Sie..." meinte er, doch sie schüttelte den Kopf.
"Da sind noch mehr Männer.", meinte sie wenig hilfreich. Darius war wie verzaubert. Sie war wunderschoen, sie war dumm, sie war sexy und sie war fast nackt... was wollte er mehr? Wenn sie jetzt noch das richtige Betriebssystem verwandte, würde er dahinschmelzen. "Nutzen Sie den Pinguin?" fragte er scharf.
Titty starrte ihn an. "Häää?", fragte sie.
"Den Pinguin. Das Betriebssystem des Computers, den Sie verwenden..."
"Oh, ich hab keinen Computer." Titty kicherte. "Ich habe gar keine Zeit für sowas. Ab und zu bin ich auf der Alm und so, und dann mal im Container und dann mal in einem Magazin, und dafür kriege ich Geld. Und ab und zu poppe ich noch..." Sie kicherte wieder, und Darius verfiel ihr völlig. Er wollte sie gerade fragen, ob sie ihn heiraten wollte als Titty aufschrie. McBreit sah auf. Das Ossimobil kam genau auf sie beide zu.

>> The Phantom of the Kanzlerkeller


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