Schadensbegrenzung, nicht Schadensbekämpfung, mein Kanzler

"Es hilft nichts - einer von uns muss sich erniedrigen."
"Oh - worum geht es?" Super-Clemens beugte sich interessiert vor. Erniedrigen... das klang aus dem Munde der Justizministerin gerade verlockend. Er würde sich gerne als Freiwilliger zur Verfügung stellen.
"Na, einer muss vor die Presse." Krass Alda seufzte. "Denn geheimhalten können wir das Ganze nun nicht mehr." Er warf dem Innenminister einen vorwurfsvollen Blick zu. "Dank einer gewissen Person hier."
"Wo wir gerade beim Thema sind," warf der Außenminister ein und machte ein paar elegante Hüpfer. Er versuchte nämlich, sich wieder in Form zu bringen, nachdem ihn die Presse mit den Worten "Außenminister Jäger - oder doch eher eine Sammeltonne?" bedachte hatte. "was ist eigentlich zwischen Dir und dieser seltsamen Datenschützerin vorgefallen?"
"Ich möchte nicht darüber reden.", meinte Oscar.
"Moment mal! Du schließt Dich stundenlang in Deinem DNS Analyse Keller ein, kommst im Stringtanga wieder heraus und hast augenscheinlich das brisanteste Geheimnis schlechthin verraten. Und Du willst nicht darüber reden?"
"Ich will nicht darüber reden."
"Er will nicht darüber reden."
"Leute..." begann Krass Alda im Namen des Kanzlers beschwichtigend. "Wir sollten das Ganze wie Erwachsene angehen."
"Du meinst, wir sollten ihn verprügeln?", fragte die Justizministerin mit leuchtenden Augen und ergänzte: "Ein wenig foltern?"
"Unsinn. Wir sollten uns erwachsen und ruhig verhalten. Also eine Rüge aussprechen."
"Okay." Der Außenminister deutete auf die freie Fläche im Büro, die normalerweise als Tanzfläche für die Stripmädel diente. "Oscar!"
"Ach Menno.", murmelte der Innenminister, ging aber in die Mitte der Fläche, während die anderen sich um ihn herum im Kreis aufstellten.
"Also, auf Drei.", gab der Kanzler vor. Dies war eine der wenigen Dinge, die soviel Wichtigkeit erfuhren, dass er selbst das Kommando übernahm. "Drei, zwei, eins."
"Buh!" Ein jeder der Anwesenden deutete mit dem Finger auf Oscar, rief Buh und warf ein Wattebäuschchen (rosa für die Damen und Wellie (wenn er dabei war), blau für die Herren) auf den Innenminister. Damit war die offizielle Rüge beendet.

"Zurück zum Thema. Wir müssen hier Schadensbegrenzung beginnen. Dank Oscar hier... weiß man, dass Henry verschwunden ist und sich auf dem Weg nach Bielefeld befindet, genau wie diese Titty de la Puss. Jetzt müssen wir zumindest von den Haushaltsdaten ablenken."
"Noch ein SEK vielleicht?", schlug Oscar ein wenig verlegen vor. Das eigentliche SEK befand sich immer noch im Streik, die Fronten hatten sich auf Grund der prekären Haushaltslage verschärft. Heute Morgen erst hatte der Leiter des SEK dem Innenminister mitgeteilt, sie hätten nunmehr alle bisher geheim gehaltenen Videoaufnahmen von Damentoiletten während einiger Demonstrationen veröffentlicht. Auch draußen brodelte es natürlich nach dieser Veröffentlichung langsam. Auch der Verfassungsschutz hatte begonnen, ein paar Details in Tauschbörsen zu verbreiten und damit gedrohnt, endlich nach außen dringen zu lassen, wer nun wirklich die neue Braunhemdenfraktion gegründet hatte. Es wurde also eng. Alle Hoffnungen ruhten auf dem Reserve-SEK, auf Manni Stumble und der OBU sowie auf den beiden Hackern, die langsam Gefallen an ihrer Tätigkeit fanden, seit man in dem Mautomobil die Videokabine eingebaut und ein paar Damen für 1 Euro pro Stunde angemietet hatte.
"Nein, Oscar. Wirklich nicht."
"Haben wir nicht ein paar befreunde Freiheitskämpfer aus einem Nachbarstaat, die uns helfen könnten? Ich meine - so ein paar dezente Anschläge schweißen ja immer zusammen, und die Medien sind erstmal beschäftigt."
"Geniale Idee."
"Ja, aber zusätzlich muss einer vor die Presse und Stellung beziehen. Das wäre übrigens eine Vertrauenspositition, sozusagen ein People Calm Manager."
"Na, wenn sich das so wichtig anhört, dann mach ich das selbst." Der Kanzler stand auf und strich über den Hermelinmantel, den er neuerdings über seinem Anzug trug. "Da muss eben der Kanzler ran. Denn der Kanzler..." Er sah die anderen erwartungsvoll an. "Na?"
"Denn der Kanzler kannīs ja.", riefen alle im Chor. Dieses Mantra hatte der Kanzler recht früh schon eingeführt.

"Also abgemacht - der Kanzler geht vor die Presse. Oscar und Barbara kümmern sich um ein paar kleinere Ablenkungsanschläge, und Super-Clemens reist nach Nigeria und trifft sich mit Gibmir Al Deincash. Was ist mit Henry?"
"Also, ich habe dem SEK gesagt, es könne wie immer rumballern.", meinte Oscar und zuckte die Schultern. "Kollateralschäden wären vertretbar, solange sie wie Unfälle aussehen. Insofern wäre es nicht zwangsläufig tragisch, wenn es bei der Aufspürung des Finanzministers zu einem tragischen Unfall kommt."
"Mit anderen Worten: Du hast ihnen gesagt, sie könnten den Finanzminister ruhig erschießen?" Mrs. Law war entsetzt.
"Das kann nicht wahr sein.", meinte auch der Außenminister fassungslos.
"Oscar, wie konntest Du nur!", ereiferte sich auch Krass Alda.
Oscar seufzte. "Ach bitte... seid wann seid ihr denn so empfindlich? Klar, es ist ziemlich menschenverachtend aber-"
"Oscar, Du faselst.", unterbrach ihn Mrs. Law schroff. "Menschenverachtend! Wen interessiert das? Wir sind hier doch keine Memmen! Aber ich habe Manni gesagt, er könne den Henry ruhig mit seinem Mobil überfahren."
"Und ich habe den beiden Hackern versprochen, dass sie das Krummschwer dieses Platindämons benutzen können."
"Na ja..." Krass Alda seufzte. "Ich habe im Namen des Kanzlers mittlerweile einen Profi engagiert. Er heißt Vinnie Benzin."
"Ooooh." Mrs. Law schloss die Augen. "Das ist ja phantastisch," hauchte sie. "Aber ich dachte, der dreht Filme."
"Ja, aber ab und an hat er Pause, und insofern wird ihm dann langweilig. Hier in Deutschland einen Finanzminister aufzuspüren und zu lynchen, das fand er groovy."
Der Kanzler sah sich in seiner Runde um und nickte zufrieden. Alles war geregelt. Jetzt war es an ihm, vor das Volk zu treten. Ach, wie er diese Auftritte liebte.
"Sag noch schnell meinem Friseur Bescheid.", meinte er zu Krass Alda gewandt. "Die Farbe ist schon wieder verblasst."

>> Reality-TV mit dem Kanzler


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