Es wird Zeit für ein Informationsfreiheitsgesetz

Mrs. Law starrte den Kanzler an. Der fuhr fort:
"Und wir sollten auch in Bezug auf die Wahlversprechen einmal nachdenken. Wir können die Wähler nicht mit irgendwelchen Versprechungen ködern und danach die Meinung des Volkes einfach ignorieren und die Versprechen brechen. Es muss mehr Möglichkeiten der Transparenz und der direkten Demokratie geben, das ist essentiell. Gerade auch wichtige Fragen wie Softwarepatente und Datenschutz müssen direkt unter Einbeziehung von Experten, Verbraucherschützern und NGOs geklärt werden, hier müssen Arbeitskreise gebildet und öffentliche Anhörungen etabliert werden. Auch dürfen wir nicht bei jeder Androhung einer Abwanderung von Arbeitsplätzen gleich nachgeben, wir müssen auch der Wirtschaft einmal die Zähne zeigen."
Müller-Hinterfelder sah in die Ministerrunde. Es herrschte betroffenes Schweigen, die Gesichter waren blass, erstaunt bis schockiert.
"Und wir müssen auch selbst lernen, uns wieder mehr an den Bürger zu wenden, müssen die Finanzen und die Verbindungen offenlegen und-"
"Nun, ich denke, das reicht." Müller-Hinterfelder zog eine Spritze auf und injizierte dem Kanzler etwas von einer goldgelben Flüssigkeit.
Gerhard blinzelte verwirrt, er griff nach seiner Zigarre. "Oh mein Gott.", sagte er.

"Interessante Wirkung, nicht wahr?" Müller-Hinterfelder nickte. "Es ist kein Virus, es ist eine chemische Reaktion." Stolz zeigte er ein paar Tabellen.. "Wir haben die letzten Tage vor Henrys Verschwinden peinlichst genau analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich um eine Reaktion auf einen Kuss handelt. Und die letzte Person, die Henry küsste, war..."
"Auf jeden Fall eine Frau ohne jeden Geschmack.", stellte Barbara kühl fest.
Müller-Hinterfelder lächelte schmallippig. "Die letzte Person, die Henry küsste, war das sogenannte Containerluder Titty de la Puss."
"Die ist doch auch verschwunden."
"Ganz genau." Der Arzt lächelte immer noch, diesmal aber breiter. "Darf ich um zwei Freiwillige bitten? Einen Mann und eine Frau bitte."
Barbara trat vor, und der Arzt injizierte ihr eine farblose Flüssigkeit. Clemens drängelte sich vor und raffte sein Cape. "Ich will."
Auch er bekam seine Spritze, und die anderen warteten gespannt ab, was passieren würde. Barbaras Lider flatterten, dann sah sie sich um. "Der Kanzler..."
"Na, das hätte wohl jeder erkannt.", meinte Gerhard säuerlich, doch Müller-Hinterfelder gebot ihm Schweigen.
"Also, eigentlich sollten wir uns wirklich einmal Gedanken um Softwarepatente machen.", meinte Mrs. Law. "Ich meine, sicherlich sprachen wir immer nur von geringen Kosten, aber die Recherche kostet ja viel mehr. Und auch zum Beispiel das Flugdatenabkommen ist rechtlich-"
Sie fuhr fort, während Super-Clemens davon sprach, dass es moralisch nicht gerechtfertigt sei, Techniken zu verurteilen, die auch legal genutzt werden können. Schließlich beendete Müller-Hinterfelder die Demonstration und injizierte das Antidot.
"Bei der Frau hat es den Effekt, dass es zu einem starken Intelligenzschub kommt, der Mann hingegen bekommt sozusagen "seinen Moralischen". Das erklärt Henrys Handeln wie auch die letzten Tage vor Titty de la Pusses Verschwinden." Müller-Hinterfelder machte es sich bequem und ließ sich Wein einschenken.
"Was tun wir also?"
"Wir müssen weiterhin versuchen, Henry zu finden - schon alleine wegen der Daten. Da wir davon ausgehen, dass Titty de la Puss, immerhin besitzt sie ja jetzt eine gewisse Intelligenz, langsam klar wird, was geschehen ist, wird sie ebenfalls versuchen, Henry zu finden. Also müssen wir sie ebenfalls suchen."
"Eider-Dauss meinte, er hätte ein Video von ihr im Netz gesehen, was sie in Bielefeld zeigt."
"Bielefeld? Manni und die anderen sind doch auch gerade nach Bielefeld unterwegs."
Der Kanzler lächelte. Wie immer fügte sich eines zum anderen. Er beschloss, nach Hause zu gehen. Chantal war krank, und insofern wollte er mal sehen, ob Dorit Zeit (na ja, viel Zeit brauchte er nicht) und Lust (das war die Hauptsache) auf etwas Sex hatte. Sex... da fiel ihm etwas ein.
"Wo sind eigentlich Wellie und Oscar?"

>> Schadensbegrenzung, nicht Schadensbekämpfung


<< zurück zu Henrys Inhalt

Zur Startseite