Mit Dorit im Grünen

"Dorit, mein Schatz, wir sind gerettet."
Dorit, ihres Zeichens Kanzlergattin, lächelte. "Fön," meinte sie und knabberte an einer Möhre. Eigentlich hatte sie sich anfangs, als sie Kanzlergattin wurde, die Zähne machen lassen wollen, aber die Zeit hatte nie gereicht, und jetzt - meinte der Kanzler - würde es die Gemüter unnötig erhitzen, wenn andere beim Zahnersatz sparen mussten, während sie die Hasenzähne richten ließ.
"Wie geht es den Kleinen?" Er schaute nach draußen, wo die französischen Kindermädchen mit seinen Adoptivkindern spielten.
"Fehr gut." Dorit fächelte sich erschöpft Luft zu. Sie war müde, so müde. Immerhin hatte sie, die ja nun Karriere als Kanzlergattin und Mutterdasein unter einen Hut bringen musste, heute fast fünf Minuten zusammen mit den Kleinen verbracht. So ein Fulltimejob als Mutter schlauchte ganz schön.
"Oh, Du haft Befuch mitgebracht."
"Hallo, Ofcar."
Der Innenminister schüttelte ihr die Hand. Er sah zum Rasen hin, wo die Kinder und Adoptivkinder des Kanzlerpaares herumtollten.

"Ich dachte, Du hättest Babies adoptiert.", meinte er.
Dorit schüttelte den Kopf. "Fie find ffon größer.", meinte sie lächelnd.
Der Kanzler lehnte sich an den Pfeiler der Pergola und betrachtete seine Frau. Also, wenn diese Zähne nicht absolut phantastische Effekte bei gewissen Tätigkeiten verursachen würden, dachte er, hätte ich sie nie geheiratet. Am Telefon klagte ihm gerade Hupf-Dohlen sein Leid.
"Ich meine, da macht sie doch allen Ernstes intelligente Bemerkungen. Was soll ich mit einer intelligenten Frau?"
Der Kanzler nickte. "Ich weiß genau, was Du meinst." Er sah zum Haus hin. "Hm, ich melde mich demnächst - hier brennt irgendetwas."
Der Innenminister hatte es ebenfalls bemerkt. "Dorit, ich glaube, in Eurer Küche brennt es."
Dorit sah in die angegebene Richtung. "Oh jeh." Sie seufzte und rief eines der Kindermädchen. "Ich fätze, da hat wieder einer der Kleinen gefündelt. Daf machen fie fu gerne..."
"Kleine Krawallmacher, was?" Oscar lächelte. "Wie süß." Er sah wieder zum Rasen. Ein Maulwurf flog durch die Luft. Der Innenminister war entzückt.
"Mensch Gerhard, die finden jetzt schon Maulwürfe. Ist ja irre."
Gerhard zog an seiner Zigarre und lächelte. Es gab ein paar donnernde Explosionen, eines der Kindermädchen wurde durch die Luft geschleudert, ihr folgten ein paar Maulwürfe.
"Dorit, was bitteschön machen die da?"
Dorit lächelte versonnen. "Fie fprengen den Rafen.", meinte sie. "Ift das nicht füf?" Sie winkte eines der verbliebenen Kindermädchen heran, das eines der Kinder an der Hand hielt. "Fau mal, waf für tolle Fpielfeuge ef gibt." Sie zeigte ihrem Mann und Oscar einen kleinen Gürtel, der mit stabförmigen Gegenständen bestückt war. "Daf find Action-Gürtel, jeder Ftab hat eine kleine Fprengladung. Daf macht ihnen einen Heidenfpaf."
Der Kanzler seufzte. Vielleicht hätten sie doch keine Kinder aus Krisengebieten adoptieren sollen. Aber andererseits waren die 11 wirklich goldig.

"Dorit scheint richtig glücklich mit den Kleinen zu sein." Oscar musste brüllen, um die Explosionen zu übertönen, die aus dem sonst so gepflegten Kanzlergarten gerade ein Trümmerfeld machten.
"Ja, ich glaube auch, es tut ihr gut, beschäftigt zu sein." Der Kanzler seufzte. "Und ein Steingarten ist ja auch nicht schlecht. Aber die Doppelbelastung macht ihr schon zu schaffen. Ehefrau und Mutter und dann noch Karriere... das schlaucht sehr.
"Ja," Oscar nickte. "kann ich mir vorstellen. Man muss mit den Kleinen ja spielen, für sie kochen, mit ihnen was lesen, Schulaufgaben machen oder mal in den Zoo etc.
"Ach das!" Gerhard machte eine wegwerfende Handbewegung. "Das machen ja die Kindermädchen. Aber Dorit kauft schon ab und zu für die Kleinen ein, und danach ist sie immer völlig geschafft. Letztens hat sie ihnen so niedliche kleine Mützen mitgebracht - schwarz mit kleinen Schlitzen - und dann haben wir Terrorist und Polizist gespielt. Aber danach waren wir dann vollends entkräftet. Elternsein ist so verdammt anstrengend."
Er sah zu seiner Frau hin, die gerade mit dreien der Kinder übte, wie man sich abrollte.

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