Wellie weint

Spin Doctress kniff die Augen zusammen. Kein Zweifel, dort bewegte sich eine Gestalt. War man ihnen gefolgt? Warum?
"Wir haben Besuch.", meinte sie vielsagend.
Löffler spähte ins Dunkel. "Holy Shit.", sagte er.
Sie nickte. "Da passiert etwas Seltsames."
"Holy Shit.", sagte Löffler wieder."
"Das ist..." Sie drückte dem Taxifahrer eine Banknote in die Hand. "Wir haben es uns anders überlegt."
So schnell es in ihren quietschenden Stiefeln möglich war, ging sie zum Wasser zurück, darauf bedacht, so wenig Lärm wie möglich zu machen. Löffler imitierte Eulenschreie, um das Quietschen zu tarnen.
"Holy Shit."
Spin Doctress hatte die Gestalt erreicht und streckte die Hand aus. "Suchen Sie etwas?"
"Holy Shit.", meinte Löffler erneut. Es klang fassungslos, und auch der Spin Doctress hatte es die Sprache verschlagen.
"Also bitte, ich bin ein gesetzestreuer Bürger dieses Landes und zahle Steuern, dann habe ich wohl auch ein Recht auf die Grundrechte und auf Selbstbestimmung. Wenn ich also schon vor lauter Pein und Schmerz meinem Leben auf wenig stilvolle Weise ein Ende bereiten will, dann kann ich ja wohl erwarten, dass man mich entweder machen lässt oder mich jemand rettet, der entfernt gut aussieht. So viel Stil muss sein. Und was bekomme ich? Einen Pummel mit gefärbten Haaren und einen Journalisten mit Brille. Kein Wunder, dass dieses Land vor die Hunde geht.", sagte Wellie und begann zu weinen.
"Ich glaube, etwas zu trinken wäre jetzt wirklich nicht die schlechteste Idee.", stellte Löffler fest.
"Vielleicht können Sie ja einfach mit Wellie die Nacht verbringen.", bemerkte die Spin Doctress, aber Löffler ignorierte sie.

"Ich hätte gerne einen Southern Comfort und einen Gurkensaft." Löffler ließ sich auf eine der Holzbänke fallen und gähnte.
Der Wirt, ein großer Kerl mit Glatze, sah ihn an. "Haben wir beides nicht."
Löffler stöhnte auf. "Dann einen Schokoshake."
Die Spin Doctress schloss gequält die Augen. "Ein dunkles Hefe und drei Whisky." Sie sah Wellie an, der noch immer heulte. "Ach, zwei dunkle Hefe, sonst trocknet er uns aus."
"Ooookay."
Löffler runzelte die Stirn. "Man könnte wohl Gurkensaft erwarten." nörgelte er.
"Das hier ist eine Kneipe, kein Ökotreff." Sie drückte Wellie auf einen Stuhl. "Nun setzen Sie sich endlich."
Löffler zog einen Notizzettel hervor. "Wellie, was genau ist passiert, seit Sie- Hey!" Er wehrte empört die Spin Doctress ab.
"Der Mann ist am Ende, und Sie wollen ein Interview führen!"
"Ich bin Journalist." Löffler verzog das Gesicht. "Okay, verzichten wir auf das Investigative und betrinken wir uns. Bröckmann wäre stolz auf uns."
Wellie hob den Kopf. "Bröckmann...", sagte er mit brüchiger Stimme. "Er ist verschwunden..."

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