Präventiv-Verteidigung bei der Pressekonferenz

"Der tragische Tod der Bildungsministerin zeigt, in welcher Gefahrensituation wir uns befinden." Krass Alda hatte seinen wackeren, aber doch besorgten Blick lange geübt. "Gestern noch waren es lediglich ein paar Leute mit Eiern, die uns gefährdeten, aber heute schon sind es jene, die die Ministerin erstachen... pardon, erkugelten... aeh... töteten, gewaltsam töteten, die in unserer Mitte sein können, von uns unbemerkt."
Er holte tief Luft.
"Tagtäglich begegnen sie uns, ohne dass wir es wissen, denn das Böse lauert immer und überall. Der Satan zeigt seine böswillige Fratze in einer Zeit, in der wir doch mehr denn je die Liebe Gottes bräuchten." Er nickte dem anwesenden Bischof, einem persönlichen Freund, zu. "Wir müssen gewappnet sein, immer und überall, müssen bereit sein, unser Land, unsere Ehre, unsere Familien und unsere Haustiere zu verteidigen. Egal ob Hamster, Wellensittich, Hund, Katze oder Silberfisch - wir müssen bereit sein, für unsere Lieben zu kämpfen."
Oskar hob den Daumen. "Perfekt." meinte er tonlos. Somit hatte man auch den Tierschutz und die Kirche erwähnt.

"Sie tarnen sich als Kopierer von urheberrechtlich geschützten CDs, als Programmierer von freier Software und als Verfechter von Datenschutz etc, aber viele von diesen natürlich" Er betonte das Wort. "redlichen Leuten sind in Wahrheit höchst gefährlich. Oder können es sein, oder eben nicht, glaube ich."
Mrs. Law strahlte Krass Alda an. Wow, dachte sie, die Sponsoren und Lobbyisten, die Musik- und Filmindustrie und die Datenverkäufer - alle in einem Satz verteidigt, das lobe ich mir.
"Wie gefährlich sie sind, haben wir sehen können."
Ein junger Mann im "Free Software"-Shirt hob die Hand. Er hielt sein Mikro hoch.
"Können wir-" Ein Schuss ertönte und der Mann sackte zu Boden.
"Das Mikro war bestimmt ne getarnte Knarre." meinte der frischgebackene SEKler und der Innenminister lächelte.
Ach, es war so gut zu sehen, wie engagiert die jungen Leute waren, wenn sie nur den richtigen Job fanden.

In Panik duckten sich die Leute und der junge SEKler gab ein paar Warnschüsse ab. Auch die anderen SEK-Backfische gaben sich Mühe, ihre Eignung nun sehr deutlich herauszustellen indem sie einige Leute verhafteten, zu Boden zwangen oder einfach nur versuchten, gut auszusehen. Der Mann mit dem Butterflymesser probte einen Wurf und traf den Hund einer Journalistin bemerkenswert zielgenau, ein anderer schoss vorsichtshalber das Licht aus. Warum, wusste er auch nicht genau, aber in den Filmen machten sie das auch immer. Ein Journalist versuchte im Gemenge nach vorne zu kommen, das hieß, man musste die Minister jetzt sofort schützen bevor es zu einem Anschlag kam - einer der Neuen zerrte den Journalisten vom Podium weg und als dieser seine Kamera hob (eine Waffe, eindeutig eine Waffe), war die Stunde der Frau im SEK gekommen. Sie hob ihren Wurfstern und zielte auf den Journalisten. "Wow, sauber die Nase halbiert.", war Paul Einschlugs beeindruckter Kommentar.

"Sie sehen", meinte Krass Alda unbeeindruckt. "in welcher akuten Bedrohungssituation wir uns befinden. Wir werden alles dafür tun, dass unser Land wieder sicher wird, aber es liegt auch an jedem selbst. Wenn Ihnen was auffällt, rufen Sie unsere kostengünstige Hotline an und melden Sie es."
Er klopfte dem SEKler auf die Schulter. "Saubere Arbeit, wirklich. Ich denke, wir können Sie jetzt mit Ihrer eigentlichen Aufgabe betreuen."
"Moment noch." Der junge Mann hob seine Waffe, zielte und schoss. "Ich glaube, da waren drei im gleichen T-Shirt wie der Mann eben. Ich denke, das war eine Terrorismuszelle. Jetzt bin ich soweit, Mann."

>> Wellie weint


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