Bewerbungsgespräche beim SEK

"Also, ich muss sagen, ich finde das wirklich ganz toll von Dir, dass Du mich in die Auswahlkomission hineingenommen hast." Super-Clemens schwirrte auf seinen roten Inline-Skatern vor Oskar hin und her. "Wirklich toll."
Oskar versuchte, sein drittes Kryptohandy einigermaßen sinnvoll zu verstauen. "Na ja, es ist ein Eilfall und ich fand Dich geeignet."
Eigentlich hatte er die Justizministerin, den Wirtschaftsminister und den Verteidigungsminister deshalb gewählt, weil er vor Barbara mal den harten Kerl markieren wollte - sozusagen im direkten Vergleich mit den beiden anderen. So würde sie endlich mal sehen, was für ein harter Hund er war. Es ging ja auch um eine heikle Sache.

Nachdem bekannt geworden war, dass sich das SEK wegen verspäteter und verkürzter Gehaltszahlungen im Streik befand, hatten sie eine Krisenkommission gebildet, die zunächst einmal feststellte, dass sie momentan mehrere Krisen hatten. Auf jeden Fall brauchte man ein SEK, um Henry Chestnut zu finden. Und so war Krass Alda letztendlich auf eine geniale Idee gekommen:
"Im Radio gibt es so eine Sendung, wo Firmen ihre freien Ausbildungsplätze anbieten. Das könnten wir doch auch machen. Sind zwar keine Ausbildungsplätze im eigentlichen Sinne, aber das stört doch nicht.
Kurz darauf hatte er schon den Text entwickelt, nach eigener Aussage frei an Spots seines Lieblingssenders angelehnt und gesprochen von niemand anderem als MC Wie-auch-immer, dem Rapper aus Gelnhausen-City:

Du willst die fetten Adventures erleben
Willst in krassem Trench und Sonnenbrille einen heben
Du stehst auf konkrete Knarren und auf Schlampen
Auf Messer, Dolche, Abschussrampen
Du schlägst auch gerne einmal ganz cool zu
Und tarnst Dich auch mal im endgeilen Tutu
Ein Toter, ja, der schreckt dich nicht
Du arbeitest gerne auch ohne Licht
Ey, Alter, yo, dann komma fuckin' klar
Bewirb dich schnell beim bitchin' SEK

Eigentlich hatte er mit "Word" abschließen wollen, die Justizministerin hatte es jedoch vorgezogen, einen der Regierungssponsoren nicht zu verärgern, so dass nun mit einem eher nachlässigen "No Weicheier" der Text zuende ging. Aber wie Krass Alda meinte, er würde die Zielgruppe krass und konkret ansprechen. Und so machten sich jetzt Oskar und seine Auswahlkommission auf, die Crème de la Crème der Bewerber einem gnadenlosen Interview auszusetzen.

"Wie viele sind es noch?" fragte Mrs. Law interessiert.
"Sechs." Krass Alda lächelte zufrieden. "Etwa 100 Leute hielten es für eine Verarsche, dann gab es ein paar, die ungeeignet waren, weil sie im Rollstuhl saßen etc. Das wird uns wahrscheinlich eine Diskriminierungsklage einbringen, aber ich habe versucht, rüberzubringen, dass wir einen 80jährigen Rollstuhlfahrer mit Armprothesen nicht aus irgendwelchen Diskriminierungsgründen nicht als Bewerber in die engere Wahl nehmen können, sondern weil er schlichtweg nicht geeignet ist."
"Gute Arbeit.", lobte Oskar. "Was ist mit den anderen?"
"Ein paar hat Paul hier", er nickte Paul Einschlug zu, dem Verteidigungsminister, "einfach zum Üben rausgeschickt, von denen blieben noch die 6 über, die jetzt da sind."
"Das nenne ich mal einen Auswahltest."
Dr. Paul Einschlug grinste zufrieden.

Die sechs jungen Leute (vier Männer, zwei Frauen) boten einen recht interessanten Anblick. Einer spielte mit einen Butterflymesser herum, ein anderer war gerade dabei, sich selbst ein Branding mittels Feuerzeug zu verpassen. Die Frauen schienen ruhiger zu sein, eine der beiden stopfte ein paar Tabletten in sich hinein, während die andere nur die Wand anstarrte.
"Ja, guten Tag dann." Krass Alda leierte noch einmal herunter, worum es ging. "Sie hier sind die sechs Bewerber und Bewerberinnen-"
Die starrende Frau rutschte vom Stuhl und hinterließ eine Blutspur.
"Ey, krass.", staunte einer der Männer. "Die hat den Messerstich in die Magengegend nicht vertragen, sach ich doch."
"Ich hätte gedacht, dass sie noch gerettet werden kann.", meinte die Frau mit den Tabletten. "Wolltest Du nicht einen Arzt rufen?"
"Ey, mein Akku war alle, ey. Was sollt ich machen?"
Krass Alda unterbrach die Diskussion "Also, Sie sind die fünf Vielversprechendsten." Er schaute auf seinen Zettel. "Tja, den Survivaltest haben Sie ja... fast alle... überlebt. Wie ist es mit den Schießübungen?"
Einer der Bewerber hob seine Pistole, die er vom Schießstand mitgenommen hatte. "Kein Problem.", meinte er und zielte auf die Tür.
"Clemens, wir..." Bildungsministerin Edeltraud Buh-Mann steckte den Kopf zur Tür herein und sackte dann in sich zusammen.
"Glatter Kopfschuss. Perfekt." Alda nickte zufrieden. "Sie sind engagiert, Mann."
Der Innenminister lächelte ebenfalls. "Können wir dafür sorgen, dass dies als terroristischer Anschlag in die Presse kommt?"
"Aber natürlich." Alda lächelte noch mehr.

>> Präventiv-Verteidigung bei der Pressekonferenz


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