Sicher ist sicher, Herr Löffler

"Ich bin´s, Grafartos," murmelte Hal ins Telefon, kaum dass sich Löffler meldete.
"Ich denke, das ist nur der Künstlername für widdatwatoddawadattwatt." Löffler schien noch völlig verschlafen.
"Bitte?" Grafartos friemelte am Hörgerät herum, und Löffler brüllte seine Frage in den Hörer.
"Die Sache ist verdammt heikel, daher läuft das unter Grafartos. Wir brauchen Deine Hilfe. Es geht um Bröckmann. Und um Frickel."
"Wer bitte ist Frickel?"
Grafartos seufzte. "Einer von den Forumlern, Du weißt schon. Und der hat..." Er erzählte schnell, was passiert war, und Löffler hörte zu.

"Also, lass es mich noch mal zusammenfassen: Ein Forumtroll hat ein Video im Forum verlinkt, dass Titty de la Puss, das flüchtige Containerluder, beim Blowjob mit Frickel zeigt. Und weil Titty de la Puss flüchtig ist und Bröckmann zur gleichen Zeit sich halbtot poppt, soll ich recherchieren?"
Grafartos überlegte. "Hm, die Zusammenfassung ist natürlich wenig detailliert, aber so rein vom Grundtenor her: ja."
"Ach, Mensch!" Löffler stöhnte entnervt auf. "Lasst mich doch einfach heute in Ruhe, ja? Ich hab mir bis morgens um 2 Uhr die Artikelvorschläge dieser Datenschutzzicke antun müssen, du weißt schon. Gott, kann die eigentlich nie pennen gehen? Dann nölt sie mich noch mit irgendwelchen Ideen zu Wettbewerben oder whatever zu und meint dann um fast 6 Uhr fröhlich "hups, ich muss jetzt zur Arbeit. Schlafen Sie gut." Diese Frau könnte jeden dazu bringen, schwul zu werden."
"Bröckmann ist schwul," meinte Grafartos ohne großartigen Zusammenhang.
"Bröckmann ist bisexuell, sonst würde er ja nicht mit irgendwelchen Frauen rummachen, während Wellie hier anruft und fragt, ob es ein Datenschutzverstoß ist, wenn er Bröckmann beschatten lässt. Aber egal - was auch immer, lasst mich heute in Ruhe."

"Moment. Findest Du es gar nicht merkwürdig, dass Bröckmann gerade jetzt, wo man ihn brauchen könnte, kein Interesse an den Illumini zeigt?"
"Nein. Erstens sind Leute sowieso immer nicht da oder beschäftigt, wenn man sie braucht, und zweitens bin ich froh, dass ich so um die WC- Verschwörung herumkomme."
"Aber darum geht es nicht." Grafartos blieb stur. Die Korinthe warf ihm einen Blick zu und machte ein "Daumen hoch"-Zeichen.
"Worum geht es dann?"
"Ist das eigentlich eine verschlüsselte Leitung?", fragte Grafartos und fühlte sich langsam wie Bröckmann in seiner schlimmsten Zeit.
Löffler stöhnte erneut. "Ja, ist es," meinte er hastig.
"Sicher?"
"Nein, verschlüsselt. Das bedeutet nicht unbedingt sicher."
"Also verschlüsselt?"
"Ja sicher."
Grafartos runzelte die Stirn. Irgendetwas schien mit Löffler ebenfalls nicht zu stimmen. "Also sicher verschlüsselt?"
Löffler jaulte auf. "Ja, sie ist verschlüsselt. Sicher ist sie das. Aber eben nicht zwangsläufig sicher, nur verschlüsselt."
Grafartos folgerte messerscharf, dass die Leitung sicher ist.
"Nein - verschlüsselt."
"Hm." Grafartos überlegte. "Pass auf, dann machen wir jetzt einen Code aus, und ich rufe dich gleich wieder an, und dann sage ich dir, worum es geht. Aber eben chiffriert, okay?"
Löffler ergab sich in sein Schicksal.

"Also, wenn ich Bröckmann meine, dann sage ich," Grafartos schaute auf seinen Schreibteisch, "dann sage ich Keks. Wellie ist Kaffee, Titty de la Puss ist der Löffel und die Illumini sind Süßstoff, Frickel ist ein alter Joghurtbecher und Hupf-Dohlen ein gebrauchtes Taschentuch, okay? Oh - und Sex ist Tee." Löffler gab ein undefinierbares Geräusch von sich. "Also, ich lege jetzt auf und rufe gleich wieder an. Denk an den Code."
Grafartos legte auf und rief Löffler erneut an. "Also, der Punkt ist, dass der Löffel abgehauen ist und jetzt scheinbar was mit dem alten Joghurtbecher hat, obwohl der Löffel vom gebrauchten Taschentuch gesucht wird. Jetzt bräuchten wir den Keks, um herauszufinden, was es mit dem Löffel, dem Taschentuch und dem Joghurtbecher auf sich hat, weil zur gleichen Zeit der Keks nichts mehr mit dem Süßstoff zu tun haben will und auch nicht mit dem Kaffee und stattdessen sich auf den Tee konzentriert, aber eben nicht mehr mit dem Kaffee."
Löffler schwieg und Grafartos fuhr fort. "Gehen wir jetzt davon aus, dass der Keks deshalb vom Süßstoff weg ist, weil irgendjemand ihn durch den Tee schwächt, dann würde jetzt niemand da sein, der sich um Löffel und alte Joghurtbecher kümmert und-"
"Wer war noch mal der Joghurtbecher?"
"Frickel. Oder Hupf-Dohlen?" Grafartos überlegte. "Moment, lass mich das kurz rekonstruieren. Also Bröckmann war der Keks, der mit Tee und Kaffee was macht, aber nicht mit dem Süßstoff und-"
Löfflers Stimme klang sehr sehr geduldig. "Pass auf, wir könnten doch eigentlich jetzt einen Supercode verwenden. Wenn Du Bröckmann meinst, dann sagst Du Bröckmann, weil der Code ja eigentlich Keks ist, okay? Wellie ist Wellie, weil alle Leute, die mithören, der Meinung sind, Wellie ist Kaffee."
"Du meinst doppelt verschlüsseln? Genial. Ich könnte natürlich auch jetzt sagen, dass Wellie das gebrauchte Taschentuch ist und-"
"Nein nein," unterbrach ihn Löffler hastig, "doppelt verschlüsseln ist sicher."
"Sicher?"
"Sicher." bekräftigte Löffler.
"Sicher?" fragte Grafartos wieder.
"Zumindest einigermaßen."
"Sicher?"
"Ich bin mir sicher, dass es einigermaßen sicher ist.", brüllte Löffler, und Grafartos stellte hastig das Hörgerät leiser.
"Du bist so gereizt heute... geht es Dir gut?", fragte er besorgt.

"Also, pass auf - Titty de la Puss flieht plötzlich und wird von Didiér Hupf-Dohlen gesucht. Und wo taucht sie auf? In Bielefeld, gemeinsam mit Frickel. Allerdings nennt sie sich Ratti Ratte. Zur gleichen Zeit findet Bröckmann plötzlich die Illumini langweilig und wird wortwörtlich aufgesext, so dass er nicht recherchieren kann."
Löffler seufzte.
"Erinnerst Du Dich an Bröckmanns These, dass man versucht, ihm mittels Sex Energie zu entziehen?"
"Ich erinnere mich." Es klang leidend, doch Grafartos ignorierte das.
"Stell dir vor, es wäre so. Wie könnte er sich schützen? Mit seiner Geheimwaffe, genau. Eine Geheimwaffe, die wir alle als Zuckerstange angesehen haben; aber was, wenn es keine Zuckerstange ist, sondern wirklich eine Geheimwaffe? Dann ist es vielleicht kein Zufall, dass ihm jemand jetzt sagt, die Zuckerstange sei schlecht für die Zähne und gleichzeitig jemand mit ihm schläft."
"Hal, Du hal-uzinierst." Löffler holte tief Luft. "Bröckmann hat Sex, ist müde, und jemand sagt ihm, dass Zuckerstangen schädlich für seine Zähne sind. Und Du machst eine Verschwörungstheorie daraus, die Bröckmann selbst blass erscheinen lässt."
"Fabian, es ist wahnsinnig wichtig, dass Du erstmal die gleiche Basis für die Vorkommnisse hast.", betonte Hal. "Stell Dir einfach vor, dass Bröckmann wirklich durch eine Verschwörung geschwächt wird, indem man mit ihm schläft."
"Tut mir leid, das kann ich mir nicht vorstellen."
"Hast Du noch Whisky da?"
"Eine Flasche."
"Okay, dann trink jetzt ein Glas. Danach frage ich Dich wieder... es ist halt emminent wichtig, dass Du die gleiche Basis für die Merkwürdigkeiten hast, sonst kannst Du ja nicht nachvollziehen, wie merkwürdig alles ist." Hal wartete ab, bis er die typischen Geräusche des Whiskytrinkens hörte. Aufschrauben der Flasche, Glas heranziehen, Glas füllen, trinken... "Also, wie stehst Du zu der Sache?"
"Sie ist weiterhin Schwachsinn.", meinte Löffler und starrte in sein leeres Glas.
"Dann müssen wir weitermachen..." Hal klang drängend. "Fabian, das hier ist etwas verdammt, verdammt verdammt Wichtiges. Also, was ist?"
"Es ist und bleibt Schwachsinn, Hal." Fabian griff nach dem Glas. Eigentlich war der Whisky keine ganz schlechte Idee.
"Und?" fragte Hal eine knappe Stunde später.
Fabian griff nach dem Glas und verfehlte es knapp. "Isch alles verdamm scheltscham.", brüllte er undeutlich in den Hörer, ließ das Telefon fallen und rutschte vom Stuhl.
"Fabian? Fabian?" Hal sah Kori an. "Mein Gott", sagte er entsetzt, "die Leitung ist tot, Jürgen. Sie haben sich Löffler geschnappt."

>> Wollen Thie mich erforschen?


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