Endlich! Ein SEK-Einsatz

"ULLA! Was bitteschön ist ULLA?"
"Steht für Union logopädisch labiler Angefeindeter."
"Haben wir irgendwo im Kabinett jemanden mit einem Sprachfehler?" fragte Krass Alda im Namen des Kanzlers.
Barbara schüttelte den Kopf. "Das wäre mir aufgefallen.", meinte sie. "Dennoch können wir nicht ausschließen, dass sich jemand hier tarnt und in Wirklichkeit zu diesen militanten Lisplern und Stotterern gehört."
Schweigen herrschte im Konferenzraum, und man könnte förmlich das Misstrauen in den Augen der Anwesenden sehen. War einer von ihnen einer von "denen"? Was hatte er vor? Würde man ihn enttarnen können? Und - viel wichtiger - würde dies geschehen, bevor auch er gewalttätig wurde? Der Kanzler betrachtete seine treuen Verbündeten. Einer von ihnen war ein Maulwurf, oder hatte Katja Burkweich als Einzeltäterin gehandelt, und war dies nur eine Finte, um ihn zu verwirren?

"Auf jeden Fall bestärkt mich dies darin, die Bundeswehr endlich auch im Innern einzusetzen.", meinte Oscar betont, was von Dr. Paul Einschlug mit begeistertem Händeklatschen begrüßt wurde.
"Und wir müssen zusehen, dass die Bauern nicht eventuell Mistgabeln an solche militanten Typen verkaufen. Ihr wisst, seit wir vorhaben, die Subventionen zu kürzen, sind solche Hilfestellungen nicht auszuschließen.", gab Rena Kühnzweig, die Landwirtschaftsministerin, zu bedenken.
"Was ist mit dem Ausland? Müssen wir da schon irgendwas vorbereiten?" Joseph Jäger, von fast allen Joschi genannt, reckte die Faust. "Ich bin bereit, die Lage überall zu verteidigen und um Unterstützung zu bitten."
"Ich glaube, bisher können wir auf Hilfe aus dem Ausland verzichten." Oscar lehnte sich zurück. Das war sein Tag, seine Chance. Endlich! Jetzt konnte er sich beweisen, konnte zeigen, wie er in Saft und Kraft stand, egal wie alt er war. "Zuerst einmal sollten wir alle internen Möglichkeiten bedenken."

"Du meinst ein SEK.", stellte Barbara fest. "Sicher, das muss jetzt sein. Nachdem jetzt auch noch der auf Wellie und Bröckmann angesetzte Geheimdienstangestellte verschwunden ist, wird es allerhöchste Zeit."
"Das hattest Du noch gar nicht erwähnt.", Oscar wurde blass.
"Könnte es sich um den Toten handeln?", hakte der Bildungsminister nach.
"Unmöglich." Barbara und Oscar schüttelten synchron die Köpfe. "Die Mitarbeiter sind einwandfrei identifizierbar."
"Macht ihr DNS-Analysen? RFID-Chips im Kopf oder im Hals? Fingerabdrücke?"
Oscar schüttelte den Kopf. "Alles nicht fälschungssicher. Nein, die Geheimdienstangestellten tragen die Namen der Objekte, auf die sie angesetzt werden, auf ihren T-Shirts, manchmal geschickt getarnt, so dass es nicht sofort auffällt. Der Tote trug ein Shirt mit der Aufschrift "Die Ärzte", insofern gehen wir davon aus, dass es sich um jemanden handelt, der die wegen der Einführung der Praxisgebühr etwas mürrischen Ärzte im Blick behalten sollte."
"Ihr lasst Ärzte beobachten?"
"Ich denke..." murmelte Oscar. "Alles andere ergäbe ja im Zusammenhang mit dem Shirt keinen Sinn. Aber ganz genau weiß ich das nicht, wenn einer den Geheimdienst beauftragt, dann bleibt das ja geheim, meist gibt man sich Mühe, das schnell wieder zu vergessen, damit niemand dieses Wissen im Falle einer Entführung sich aneignen kann."
"Das heißt, Ihr wisst nicht mehr, wie viele da draußen sind und was sie machen und warum?"
"Das ist das Prinzip."

"Genial." Der Kanzler war fasziniert. So fasziniert, dass er sogar selbst antwortete, statt Krass Alda zu beauftragen.
Oscar errötete und spielte verlegen mit seinen grauen Haaren.
"Also, es wird jedenfalls Zeit für ein SEK.", betonte Barbara noch einmal und nickte dem Innenminister zu.
Alle Augen richteten sich auf ihn. Sich seiner Wichtigkeit bewusst, nahm er sein Kryptohandy hervor, ignorierte die ohnehin unwichtigen Kurznachrichten wie "Achtung, Anschlag in... geplant" oder "Terrorist in... gesichtet" (was müllten die immer seine Mailbox zu?) und tippte die SEK-Kurzwahl.
"Oh..." Er wurde blass. "Es gibt... ein Problem..." Er schaltete den Lautsprecher ein.

"Danke, dass Sie die Nummer des zentralen SEK-Dienstes gewählt haben. Dieser Dienst wird zur Zeit bestreikt. Wenn Sie sich mit uns solidarisch erklären wollen, drücken Sie die 1. Wollen Sie einen Notfall melden (den wir ignorieren werden), drücken Sie die 2. Für erotische Grüße an Mitarbeiter drücken Sie die 3. Um unseren Streik zu unterstützen, können Sie auch die Onlinepetition unterschreiben, das SEK-on-Strike-Logo oder den "SEK in the house"-Klingelton herunterladen..."

>> Gesundheit, Herr Bröckmann


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