Thenthationelleth bei "Punkt Middach"

Peter Haekel ueberpruefte schnell noch mit einer kurzen Handbewegung seine Betonfrisur, dann wandte er sich an seine Kollegin.
"Okay, Katja, wie sitzt meine Frisur?", fragte er.
"Gut.", meinte Katja, doch damit gab sich Peter nicht zufrieden.
"Sitzt sie sehr gut, und passt auch jede Strähne sehr gut zur anderen Strähne?", fragte er betont langsam.
Katja zuckte leicht zusammen, lächelte aber tapfer weiter. "Thie thittht ther gut, und eth patht auch jede Thrähne ther gut thur anderen Thräne," lispelte sie.
Peter Haekel grinste. Jetzt ging es ihm besser. Also, ihm eine Kollegin mit Sprachfehler zur Seite zu stellen war schon eine geniale Idee gewesen, wann immer es ihm schlecht ging, piesakte er Katja Burkweich ein wenig und schon ging es ihm besser.
"Also, Du machst das Interview, ich die Kamera." Er deutete mit einem Nicken zu dem Geheimdienstler. "Oh, und sag nicht Geheimdienst, sag Secret Service.", meinte er noch betont.

Katja Burkweich wandte sich mutig an den zusammengesackt dasitzenden Geheimdienstler.
"Hallo, ich bin Katja Burkweich von 'Punkt Middach'.", sagte sie professionell. "Können Thie mir thagen, wath der Thecret Thervice hier bei diether Bürgerthprechthunde macht? Geht es um Ithlamithten?"
Wellie, der zusammen mit Bröckmann vor dem Fernseher saß und die Liveschaltung beobachtete, fühlte sich an den Loriot-Sketch erinnert, in dem die ganzen englischen Ortsnamen eine Ansagerin zur Verzweiflung brachten. Er fragte sich, wie Katja Burkweich Peter Haekel ertrug, er jedenfalls hätte den Typ längst mit einer Häkelnadel erstochen.
Der Geheimdienstler schwieg logischerweise und Katja Burkweich machte wacker weiter.
"Wie thie thehen können, thind unsere Thecret Thervice Mitarbeiter thtetth auf der Huth.", lispelte sie ins Mikro und Peter Haekel bekam einen leichten Speichelregen ab. "Aber Thie alth Zuthauer haben ein Recht auf umfathende Newth." Jetzt begann der übliche Anglizismen- und Fremdwortmarathon, Katja Burkweich sprach von "der Ethenth der heutigen Thprethtunde", von "nethethary Information" und "primären und thekundären Thicherheitthmathnahmen", von "Radikalithierung" und und und. Wellie hörte kaum mehr hin, er freute sich über die zunehmenden Speicheltropfen in Haekels Gesicht während er mit Bröckmann Händchen hielt.

"Wellie?" Bröckmann seufzte schwer und hielt Wellies Hand fester. "Ich muss Dir etwas sagen."
"Oh." Wellie nahm den Blick vom Fernseher. Das hörte sich so ernst an.
"Ich wollte Dir nur sagen, dass mich die letzten Tage sehr glücklich gemacht haben." Bröckmann sah Wellie nun doch an. "Ich meine, bisher habe ich kaum einen Mann getroffen, der so viel gemeinsam hat. Es... es gibt viele, die mit mir die Wände mit Alufolie verkleiden und so, aber-" Er brach ab, holte tief Luft. "Aber ich war noch nie mit jemandem in der "Nacht für sexbesessene Verschwörungstheoretiker" und-" Er brach ab.
Wellie drückte Bröckmanns Hand. "Und?" fragte er leise. "Du kannst es mir sagen, wirklich."
Bröckmann räusperte sich. "Na ja, ich habe das nie zu jemandem gesagt, aber... also, ich würde gerne zusammen mit Dir 'Pretty Man' schauen."
Wellie strahlte. "Pretty Man" war die trashige homosexuelle Version vom bekannten Film "Pretty Woman" und wer mit seinem Freund zusammen "Pretty Man" sah, der stand nicht nur offen zu seiner Romantik, nein, er gab damit auch dem anderen zu verstehen, dass er es ernst meinte.
"Wir können es ja morgen gemeinsam ausleihen," meinte er leise und drückte Bröckmanns Hand noch fester.
Bröckmann schluckte und küsste Wellie sanft auf die Nase, strich ihm genauso sanft über sein sensibles Ohr. "Wellie, ich-"

"Verdammt!" sagte Wellie. "Das gibt es doch nicht."
Er starrte zum Fernseher. Das "thenthationelle Gethpräch mit dem thecret thervithe" hatte eine unerwartete Wendung genommen. Tumult war ausgebrochen, in deren Mittelpunkt Katja Burkweich und Peter Haekel standen. Katja Burkweich stand neben dem Geheimdienstler, der jetzt seltsamerweise aus einer Wunde nahe des Halses blutete.
"Warum blutet der denn?" Bröckmanns Blick war völlig entgeistert.
Die Kamera zoomte auf Peter Haekel, der verstört versuchte, seine Frisur zu retten während Katja Burkweich mit einer blutigen Schere bewaffnet Löcher in diese schnitt.
"Wir von der ULLA lathen eth unth nicht meht gefallen, dath man unth ignoriert.", schrie Katja ins Mikro und verteilte Speicheltropfen. "Lange genug haben wir gelitten. Jetzt thlagen wir thurück. Eure dithkriminierende Regierung itht längst- " Das Mikro wurde ausgeschaltet, ein paar Sicherheitsbeamte zerrten Katja Burkweich, die noch immer wild nach Peter Haekel stach, weg von dem blutenden Geheimdienstler.
Wellie und Bröckmann sahen sich an.
"Wellie, weißt Du, was das heißt?" fragte Bröckmann atemlos. "Das heißt, da ist etwas ganz Gefährliches im Gange."
"Auf jeden Fall heißt es, dass wir sicher sind." meinte Wellie cool und Bröckmann war erneut von seiner Skrupellosigkeit fasziniert.
"Wellie, Du bist einfach eiskalt." sagte er voller Bewunderung.
Der Parteivorsitzende lächelte und zog sein blau-gelbes Sakko mit den Lurexfäden aus. "Nicht immer..." meinte er vielsagend. "und nicht überall."

>> Die OBU und die Frauenquote


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