Unsere Jungs eben...

Wellie kam an zu Bröckmann, in der Hand noch das Sektglas vom Frühstück. Bröckmann starrte immernoch auf die Leiche. "Was ist los?"
"Wir sind verloren." murmelte Bröckmann.
Wellie schlürfte seinen Sekt. "Wer ist das?"
Bröckmann sah ihn an. "Wir sind verloren.", wiederholte er. "Wir sind verloren."
"Jaja, klar. Wegen der Illumini und so. Aber wer ist das?"
"Wir sind verloren, Wellie. Wir sind sowas von verloren." Wellie verdrehte die Augen und gähnte. "Ist er tot?"
Bröckmann nickte. "Ein Geheimdienstler. Auf uns angesetzt von der Justizministerin und dem Innenminister. Wir sind verloren, Wellie, wir sind absolut verloren. Ich meine, Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie verloren wir sind."
Wellie stellte sein leeres Glas auf dem Telefontischchen ab und schob seine Brille hoch. "Hm, wir sollten ihn erstmal reinholen." Er packte den Geheimdienstler routiniert unter den Achselhöhlen und zog ihn in die Wohnung. Danach zog er Bröckmann in die Wohnung.

"Pass auf, heute Nachmittag ist eine öffentliche Sprechstunde zum Thema Sozialreformen. Du weißt schon, diese Sache mit der Sozialhilfe und so. Der Kanzler geht davon aus, dass Radikale ankommen und mit Socken nach ihm werfen."
"Socken?" Bröckmann sah ihn aus verschleierten Augen an. "Wellie, Du verstehst es nicht - wir sind verloren, wir sind völlig verloren."
"Na ja, Socken eben. Vorher haben die mit Eiern geschmissen, aber Eier sind teuer und Einzelsocken hat jeder. Oder gehen bei Dir keine Socken in der Waschmaschine verloren?"
"Ich hatte mal darüber recherchiert." Bröckmann nickte mit bleichem Gesicht. "Ich gehe davon aus, dass man auf diese Weise DNA-Proben sammelt. Man schleicht sich in Wohnung, entwendet getragene Socken und jeder denkt: 'völlig normal, dass mal eine Socke fehlt'..."
Wellie sah ihn bewundernd an. "Wow. Wie klug Du bist.", meinte er und lächelte Michael verliebt an. "Pass auf, wir bringen den Typ hier einfach in den Raum, wo die Sprechstunde stattfindet. Keiner wird sich wundern, wenn da wegen der Radikalen auch ein Geheimdienstler rumhängt. Auch nicht, wenn er den Saal nicht verlässt nach der Sprechstunde. Bei den Typen weiß man sowieso nicht, warum sie wo sind. Also wird man frühestens in ein paar Tagen herausfinden, dass er tot ist. Und dann sehen wir weiter."
Bröckmann starrte den Parteivorsitzenden fassungslos an. "Wellie, Du bist..." Ihm fehlten die Worte. "Du bist ja völlig skrupellos."
Wellie wurde rot. "Nun ja..." Er lächelte verschmitzt. "Ich bin Anwalt."
Bröckmann ignorierte den toten Geheimdienstler zu seinen Füßen und riss Wellie in seine Arme.

"Also, Barbara, Deine Leute haben wirklich Vorbildfunktion." Super- Clemens sah zufrieden auf den Mann im schwarzen Anzug, der neben dem Kanzler saß. "Dieser völlig coole Gesichtsausdruck und diese brillante Tarnung."
"Nun ja, man muss fairerweise zugeben, dass die Leutchen eigentlich zu Oscar gehören." Die Justizministerin nickte Oscar zu. "Aber ich habe ein wenig bei der Auswahl geholfen." Sie errötete. "Aber er ist brillant, nicht wahr?"
"Einfach brillant, führwahr." Super-Clemens sah noch immer zu dem Mann hin, dessen Augen durch eine verspiegelte Sonnenbrille verdeckt waren. Das blasse Gesicht und die zusammengesackte Haltung ließ den Mann wie einen Schlafenden aussehen, was eine absolut perfekte Tarnung darstellte, genauso wie der auffällig über dem Stuhl drapierte Trenchcoat samt Schlapphut. Niemand würde einen Geheimdienstler in ihm vermuten, wenn er sich so auffällig verhielt.
"Wusstest Du, dass er hier sein würde? Ich meine - was ist seine Aufgabe?"
"Ach, keine Ahnung. Ich hab nicht im Kopf, was wer von denen macht. Ich glaube, einer buddelt Löcher in Gefängnisse oder hängt mit Radikalen rum, aber so genau weiß das keiner. Deshalb ja Geheimdienst." Mrs. Law tätschelte Oscar, der nach der nun glücklicherweise gewaltlos verlaufenen Sprechstunde zu ihnen kam. "Unsere Männer haben es schon drauf."
Oscar nickte zufrieden. "Oh ja," meinte er, "Oh ja." Er sah zu einem Reporter hin. "Betrüblicherweise ist da dieser Journalist mit seiner Kollegin. Die werden ein paar unangenehme Fragen stellen. Aber auf sowas sind unsere Leute vorbereitet."
Er beobachtete Peter Haekel und Katja Burkweich, die sich zu dem Geheimdienstler begaben.

>> Thenthationelleth bei "Punkt Middach"


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