Bröckmann und die WC-Verschwörung

"Und Du bist sicher, dass das reichen wird?" Wellie schaute auf die Wände, die er und Bröckmann gemeinsam mit Alufolie neu verkleidet hatten.
"Es ist ein Anfang," meinte Bröckmann düster, "nur ein Anfang." Er holte eine Flasche Wein und etwas Käse, ein paar Kräcker, Oliven und eingelegte Zwiebeln aus seinen Schränken und arrangierte das Ganze auf einem großen Teller. Zusätzlich steckte er noch eine Borretschblüte dazu.
"Hübsch." meinte Wellie und wurde rot.
Bröckmann lächelte und riss sich dann zusammen. Verdammt, sie versuchten ihn durch Wellie weich zu kochen, er war ja nicht blöd. Aber andereseits konnte er auch versuchen, Wellie aus ihrem unseligen Einfluss zu befreien. Immerhin trug der Parteivorsitzende mittlerweile eine fesche Mütze mit Lurexfäden, das war ein guter Anfang. Es war also noch nicht alles verloren. "Lass uns draußen sitzen, noch regnet es nicht."
Wellie folgte Bröckmann auf den Balkon und entkorkte fachmännisch den Wein, ließ ihn kurz atmen, bevor er die Gläser füllte.

"Im Amt sind sie schon wieder dabei alles zu renovieren." Wellie seufzte. "Dauernd stolperte man über Kabel oder Werkzeuge."
Bröckmann wurde hellhörig. "Was wird denn renoviert?", hakte er nach und strich Wellie über dessen seidiges Haar.
"Ach, die Toiletten mal wieder.", seufzte Guiseppe und nahm sich eine Olive.
"Die Toiletten? Verdächtig. Sehr verdächtig." Bröckmann schenkte sich Wein nach und schob die Zwiebeln beiseite. Hierfür brauchte er einen klaren Kopf, Zwiebeln würden ihn da durcheinander bringen.
"Wieso das?"
"Nun, Toiletten sind natürlich ein willkommener Ort für Abhörmaßnahmen. Immerhin unterhalten sich ja dort dauernd Leute über ihre Geliebten, über Geheimnisse und so weiter. Dass meine Toilettenwände mit starken Metallplatten verkleidet sind, ist kein Zufall. Ich hatte vor, da mal genauer zu recherchieren und mein neues Buch "Die WC-Verschwörung" zu nennen. Und wenn jetzt, kaum dass wir uns getroffen haben, die Toiletten renoviert werden, dann ist das bestimmt kein Zufall."
Wellie seufzte. "Ich unterhalte mich eigentlich nie auf der Toilette."
"Aber die meisten Leute tun das. Ich habe eine Zeitlang investigativ auf Toiletten recherchiert, leider hat das eine Frau falsch verstanden und mich wegen Voyeurismus und Belästigung angezeigt." Bröckmann zuckte die Schultern. "Journalistenpech."

"Weißt Du," Wellie packte die frisch abgetrockneten Teller in den Schrank, "ich habe Sorge, dass uns unsere verschiedenen Interessen auseinanderbringen."
Bröckmann runzelte die Stirn. "Weil Du lieber Schlagermusik hörst und ich lieber Gothic-Music?"
"Ich meinte eher, weil ich Parteivorsitzender bin und Du Journalist. Ich meine, ich kann und darf Dir eben nicht alles sagen und-" Eine Träne kullerte in den Abfluss, eine weitere landete auf einer der verbliebenen Oliven.
"Wellie..." Bröckmann nahm ihn sanft in die Arme. "Das verstehe ich doch. Aber das wird-" Er brach ab, als er von der Tür her einen Laut hörte. "Psssst." Er schlich zur Wohnungstür, riss sie auf und keuchte erschrocken auf.

>> Da steht nen Mann aufm Flur


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