Ein Klingelton namens "IM"

"Also, für Dich würde ich sogar eine Sicherheitsnadel tragen," hauchte die junge Frau und sah Oskar Capsicum voller Leidenschaft an.
Der Innenminister schmolz dahin, statt mit irgendwelchen Muskeln zu prahlen (das konnte jeder Blödmann), holte er sein Kryptohandy hervor. "Das ist übrigens eines der teuersten Modelle," meinte. "und sehr klein und handlich."
"Aber ich wette, dass nicht alles bei Dir sehr klein und handlich ist.", flüsterte die Frau vielsagend und ließ ihre Hand über das Kryptohandy gleiten.
Dem Innenminister wurde immer heißer. Mit einem Ruck zog er die Jacke seines Armani-Anzuges aus. "Lass uns nicht länger zögern.", meinte er heiser. "Wer weiß, vielleicht plant in diesem Moment schon jemand das nächste Attentat, vielleicht wird jeden Moment ein Wahnsinniger sein Flugzeug in unser Liebesnest steuern. Auch ich kann nicht für grenzenlose Sicherheit sorgen."
"Oh, ich weiß. Aber nur bei Dir fühle ich mich sicher." Langsam, aufreizend langsam, zog sie den Reißverschluss ihres Kleides auf. "Ich habe nichts zu verbergen, Oscar, ich-"

Das Telefonklingeln riss den Innenminister aus seinen Träumen. Verärgert griff er nach dem Hörer und stellte gleichzeitig per Fernbedienung die Heizung herunter. In der Nacht drehte er die Temperatur immer hoch, das brachte ihm bei seinen Träumen das richtige "es wird heiß"-Gefühl.
"Ja?"
"Oscar, ich bin es, Mrs. Law." Die Justizministerin klang ein wenig zu fröhlich. Wahrscheinlich hat sie wieder abends einen Typen gequält. Oscar wusste aus sicherer Quelle, dass sie ab und an einen Softwareprogrammierer kommen ließ, den sie dann mit Verbalerotik wie "ja, komm, tu was gegen die Patente" attackierte. "Ich denke, wir benötigen doch ein SEK. Komm am besten sofort ins Amt."
DAS ließ sich Oscar nun nicht zwei Mal sagen. Er schnappte schnell sein Kryptohandy, zog sich an, stellte sich vor den Spiegel und machte die Übungen, die ihm sein Therapeut beigebracht hatte. "Ich bin ein scharfer Hund" sagte er drei Mal und zog dabei ein furchteinflößendes Gesicht. Dann eilte er ins Amt.

"Der Kanzler möchte einen Bericht haben," meinte Krass Alda bestimmt, und der Kanzler nickte entschieden, während er seine Zigarre auspackte.
"Wer ist für einen Rapport zuständig?"
Niemand meldete sich.
"Ich glaube, darüber haben wir noch gar nicht abgestimmt," wandte Edeltraud ein.
"Ist eigentlich hier die Frauenquote erfüllt?" fragte Barbara plötzlich, und Super-Clemens seufzte.
"Der Kanzler meint, das hier ist Geheim- und Eilsache. Daher fallen die bürokratischen Mindestvoraussetzungen diesmal heraus."
"Ach so." Mrs. Law zuckte die Schultern und besah sich den neuen Weinschrank, der für das Konferenzzimmer geliefert worden war. Hm, immerhin schien der Riesling endlich die richtige Temperatur zu haben.
"Ich übernehme das. Schließlich habe ich den Überblick." Super-Clemens warf sich in Pose und Krass Alda nickte.

"Also, unsere zwei Experten," er sah auf seinen Notizzettel. "Haxxxor und Platindämon, sind auf der Suche nach einem Rapper namens Dosi. Dieser weiß eventuell etwas über den Verbleib des Finanzministers, zumindest hatte er scheinbar erst vor kurzem Kontakt zu ihm. Weiterhin scheint sich das Moralvirus beim Minister bereits bei seinem letzten Besuch bei einer Prostituierten namens Bloody Bess gezeigt zu haben." Er räusperte sich. "Dauerwelle hat sich mit Michael Bröckmann die "lange Nacht für sexbesessene Verschwörungstheoretiker" angesehen und ist danach in einer Gay-Bar aufgefallen, in der der Michael-Moore-Film gezeigt wurde. Wir sollten ein Auge auf ihn haben, bevor uns die Sache entgleitet." Er runzelte die Stirn. "Das ist nicht pornographisch gemeint übrigens. Jörg Eider-Dauss, unsere Medienkonifere, kümmert sich momentan um die diversen Foren, in denen teilweise Unruhe entsteht, weil Henry nicht so oft wie bisher in den Nachrichten erscheint. Eider-Dauss hat dabei diverse Tarnnamen angenommen, so schreibt er zum Beispiel in einem recht gut besuchten Forum als... ich glaube, das hier soll Penquo heißen oder so. Jedenfalls glänzt er wie immer durch Fachkompetenz und brillante Schlussfolgerungen. Manni Stumble, Trautnichte und Hübschbohm sind auf dem Weg hierher, um den Experten zu helfen, ihre Ankunft verzögert sich jedoch, weil Mannis OBU scheinbar versehentlich davon ausging, sie wären in Österreich."
Der Kanzler hatte schweigend zugehört, jetzt wandte er sich an Mrs. Law. "Gib mir mal eine Flasche Bier," meinte er knapp, eine der wenigen Sätze, die er ohne seinen Sprecher verlautbaren ließ.
"Ich meine jedenfalls, wir brauchen ein SEK.", meinte Mrs. Law.

"Gute Idee, gute Idee.", sagte der Innenminister hastig. "Fürwahr, eine sehr gute Idee. Wofür?"
"Nun, wenn Henry länger fort ist, benötigen wir vielleicht professionelle Hilfe, um Bröckmann und Wellie im Zaum zu halten.
"Oh ja." Freudig erregt klatschte der Innenminister in die Hände. "Das wird ein Spaß."
Mrs. Law schaute auf sein Kryptohandy. "Klingelton IM?", fragte sie. "Was soll das denn heißen? Inoffizieller Mitarbeiter?" Noch bevor der Innenminister antworten konnte, hatte die Justizministerin bereits den Knopf gedrückt, um Klingelton IM zu hören.
"Oh, du starker, strenger Innenminister - hier ist eine Nachricht für Dich.", tönte es lasziv aus dem Kryptohandy.
Krass Alda lächelte. "Der Kanzler möchte diesen Klingelton ebenfalls.", meinte er. "Aber natürlich mit Kanzler..."

>> Bröckmann und die WC-Verschwörung


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