Fisch und Chips

"Und, wie gefällt es Dir?" Björn Ägen lächelte Titty strahlend an. "Schön hier, nicht?"
Titty duckte sich um einem herannahenden Rotbarschfilet auszuweichen. "Es ist... ungewöhnlich." brachte sie hervor. Seit sie mit Björn Ägen in den Räumen des dvcccdozdubtdidzsdw angekommen war, hatte sie das Gefühl, in einem sehr seltsamen Land gestrandet zu sein. Bisher hatte sie Platindämon nicht gefunden, stattdessen gab es Leute mit Namen wie "isch hätt nen Wettbewerba sein könne". Ein etwas kriegerisch aussehender junger Mann stellte sich als "Walter, the Walter, Benny" vor und erzählte etwas vom Krieg, von Susi und von der Artillerie. Titty fühlte sich noch unbehaglicher, als Björn Ägen, von einer jungen Dame mit Kaffee versorgt, plötzlich aggressiv wurde.
"Was soll das denn sein? So eine Frickelplörre? Ich trinke nur den guten Kaffee so wie ich auch nur das gute Betriebssystem verwende, deshalb bin ich ja immerhin IT-Profi und BWL-Student im 7 Semester und nicht so ein Hobbyfrickler wie der Rest hier."
Den Rest hatte sie nur entfernt mitbekommen, aber plötzlich war eine Sardine in ihrer Shorts gelandet und seitdem ging es in dem Versammlungsraum zu wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Makrelen, tiefgekühlte Rotbarsch- und Seelachsfilets flogen umher, jemand warf sogar mit einer Sardinendose weil er die Dose nicht öffnen konnte, was mit höhnischem Gelächter und Rufen wie "Kein Wunder, dass es mit der Win-Dose nicht klappt" quittiert wurde. Björn Ägen jedoch blieb cool. Er fischte eine Sardine aus seinem Kaffee und nahm einen Schluck. "Aaaah, jetzt schmeckt das Zeug wenigstens nach was." meinte er genießerisch

"Weißt Du, es gibt da so einen Weichei-Club, da nehmen die nur virtuelle Fische. Aber wir sind ein anderes Kaliber. Wir sind nicht so verweichlicht."
Titty starrte ihn an. "Setz Dich doch endlich." meinte Björn. "Da auf den beiden Rechnern ist noch Platz. Willst Du ein paar Chips?"
"Ja, danke." murmelte sie und starrte dann auf die elektronischen Bauteile, die er ihr in die Hand drückte. "Die sind noch von der letzten Computerverbrennung über." meinte der Osloer. "Wir haben da unserem Computergott ein paar FreeBSD-Kisten geopfert und dabei "Developpers" geschrien, das soll den FreeBSD-Teufel austreiben."
Für die mittlerweile zu Ratti Ratte mutierte Titty de la Puss hörte sich das alles wie etwas aus einer anderen Welt an. Sie wusste überhaupt nicht, wovon Björn sprach als er ihr erzählte, dass er schon oft, eigentlich fast immer gar, Erster wäre. Für sie klang das alles irgendwie seltsam - wie eine bizarre Mischung aus Sado- Maso, einem Kult oder einer Sekte und sehr viel Sex. Sie bemühte sich, ihren üppigen Po auf den beiden Rechnern zu verteilen, die Lüfter bliesen in ihre Shorts. "Jungs, die Kleine will mit nach Bielefeld."
"Da muss sie eben auf Platindämon warten, aber wo der ist weiß ich nicht." antwortete ein Herr Frickel, der Titty schon ein "Nenn mich Klaus." ins Ohr geraunt hatte. "Aber ich kann sie ja inzwischen mal herumführen." Er zog ein Stück Thunfisch aus Tittys Filzmütze, starrte in den Ausschnitt des T-Shirts und seufzte sehnsuchtsvoll. "Ach", sagte er. "wisst ihr, dass heute die Jungs von SBB hierherkommen um einen von uns eventuell zu casten?"
Titty wurde blass und da Björn Ägen zu sehr mit seiner Makrele und dem Kaffee beschäftigt war, wandte sie sich an "Klaus". "Ich muss wirklich furchtbar dringend nach Bielefeld." hauchte sie. "Sofort."
Klaus grinste. Er hatte schon immer den Analysten aus Oslo toppen wollen und jetzt flehte ihn dessen Freundin um Hilfe an, das war der ideale Zeitpunkt. Er nahm seine Mütze in den Windows-Farben, riss die Jacke vom Haken und verließ mit Titty (oder besser mittlerweile Ratti Ratte) den Computerclub. Ein etwas älter wirkender Mann sah ihnen hinterher. "Also, wenn da nicht was faul ich, will ich nicht Peter Mütze heißen" meinte der deutschlandweit bekannte Computerfachmann, der auch in diversen Fernsehsendungen auftrat. Und wenn etwas faul war, dann war Peter Mütze investigativ, keine Frage. Er folgte den beiden.

>> Die Virenschleuder


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