Titty, bei Dir piepts

"Au-aus...?"
"Ausziehen." Der Mann fuchtelte mit seinem Gerät herum, und Titty zuckte zusammen.
"Bitte, bitte... tun Sie mir nichts. Ich meine... vergewal-"
"Sehe ich aus, als würde ich freiwillig eine Spermaprobe abgeben?", war die aggressive Antwort. "Ausziehen, aber vite-vite."
Titty schlüpfte schnell aus ihrem Pailettenkleid und wollte die Mütze abnehmen, doch der Mann schüttelte den Kopf. "Nur das Kleid." Er griff danach und hielt sein Gerät näher daran. Zufrieden nickte er, als ein immer lauter werdendes Piepen zu hören war. "Bei Dir piepts."
Titty fror und fühlte sich entsetzlich. Sie hatte keine Ahnung, wer der Mann war und was er wollte, irgendwie schien er pervers zu sein.
"Zieh das an." Er griff in seinen Overall und förderte ein völlig zerknittertes, zusammengeknülltes Shirt sowie eine Shorts zutage.
Titty gehorchte. Das Shirt hatte die Aufschrift "Stop RFIF", die Shorts ebenso.

"Ist ein Fehldruck - sollte eigentlich "STOP RFID" heißen," meinte der Mann und riss das kleine Wäscheetikett aus dem Kleid heraus. "Ah ja, da haben wir ihn ja." Zufrieden hielt er etwas Metallisches in der Hand. "Abrakadabra." Er holte eine Ratte aus einer anderen Overalltasche. "Dann wollen wir die Herren doch mal etwas beschäftigen." Vorsichtig befestigte er den Metallgegenstand am Ohr der Ratte, und das Tier lief fort. "Die Sendung mit der Ratte sozusagen.", meinte der Mann zufrieden und packte sein Gerät ein. "Hör zu: Als Du abgehauen bist, hat man im Fernsehen eine Show draus gemacht. Man konnte Dich durch die SBB- Klamotten orten. Und als Du dann scheinbar nicht mehr zu orten warst, hat sich eine Frau gemeldet, deren Klamotten Du geklaut hast - waren eben auch gechippt. Den Chip hat jetzt die Ratte. Ein paar Deiner Fans haben sich die Mühe gemacht und den Empfang gestört, bis ich Dich gefunden hatte, und jetzt kannst Du abhauen." Er nickte ihr zu. "Ich muss los, aber hier ist was für Dich." Er drückte ihr einen kleinen Button in die Hand. "Sieh zu, dass Du Dich nach Bielefeld durchschlägst. Die dritte Seitenstraße rechts vom Bahnhof aus, und dann das erste Straßenschild - dort ist eine kleine Vertiefung im Boden. Leg den Button rein und drück ordentlich drauf - dann hilft Dir jemand. Sag, paddy lässt grüßen." Er winkte ihr zu. "Ich muss los, eine Demo wartet auf mich."

Titty sah ihm hinterher. Wie um Himmels Willen sollte sie nach Bielefeld kommen? Dann sah sie das billige kleine DIN A4-Plakat, das jemand an den Zaun genagelt hatte. "Das 23-Festival in Bielefeld", lautete die Überschrift. Titty lächelte, riss das Plakat ab und suchte die Kontaktadresse. "platindaemon@dvcccvgdozdudbtdidzsdw.de" stand dort und Titty runzelte die Stirn. Was bitteschön war denn dvcccvgdozdudbtdidzsdw.de? Nun, sie würde es herausfinden. Titty de la Puss seufzte, drehte sich um und schrie auf. Ein dünner junger Mann mit einem "Physik macht sexy"-Shirt und einer Makrele in der Hand stand ihr gegenüber und starrte auf den Platz, an dem eben noch "paddy" auf seinen Inline-Skatern gestanden hatte. "Verdammt, verpasst," sagte er sauer.

>> Björn Ägen aus Oslo, Analyst


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