Road to nowhere

"Das hier ist doch nie im Leben die Straße noch Berlin." Andreas Trautnichte hielt seine Videokamera starr auf die Windschutzscheibe gerichtet.
"Kommt mir auch komisch vor."
"Wie könnt Ihr es wagen, an den Angaben der OBU zu zweifeln?" Manni Stumble schüttelte fassungslos den Kopf. "Sie funktioniert tadellos, da bin ich mir völlig sicher." Er wandte sich an Andreas. "Was filmst Du eigentlich?"
"Ich bin mir nicht sicher." Andreas kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe. "Aber ich mag Kameras. Eigentlich hatte ich ja vor, einen experimentellen Kurzfilm mit verfremdeten Aufnahmen aus dem Tunnel zu entwickeln, aber die Datenschützer haben es mir verdorben." Er schob schmollend die Unterlippe vor.
Uwe Hübschbohm seufzte und legte Andreas vom Rücksitz aus die Hand auf die Schulter, drückte ihn tröstend. "Ich weiß, wie Du Dich fühlst."
Er sah auf die zunehmend holpriger werdende Straße vor ihnen. "Manni, wir kommen hier wirklich nach Berlin?"
Manfred nickte überzeugt. "Ha!", rief er plötzlich. "Ich weiß, wo das Problem ist. Die OBU hier ist natürlich im Freundmodus und nicht im Bürgermodus."
"Und das heißt?"
"Na ja...", Manni zuckte entschuldigend die Schultern. "Das heißt, sie sucht automatisch den Weg, der keinerlei Mautgebühren mit sich bringt." Er drückte ein paar Knöpfe. "Tut mir leid, ich hätte dran denken sollen."
"Modus wurde geändert," sagte die Stimme der OBU und es ertönte ein heiseres Stöhnen. "Drehen Sie jetzt um, und fahren Sie circa 50 Kilometer zurück, bis Sie zur Autobahnauffahrt kommen." Wieder das Stöhnen. "In der Zwischenzeit, Manni, können wir es uns ja gemütlich machen."
Trautnichte runzelte die Stirn.
"Ist eine kleine Zusatzversion für langweilige Fahrten." Stumble blieb cool.
"Manni, stell die gottverdammte rote Innenbeleuchtung ab, bevor wir im nächsten Graben landen!", brüllte Hübschbohm entnervt.
"Spielverderber." Manni stellte die normale Beleuchtung an und friemelte an der OBU herum, bis er eine andere Stimme eingestellt hatte.

"Ich hab absolut keine Ahnung mehr, wo wir suchen sollten." Haxxxor nahm seine Literflasche und trank einen Schluck. "Baaaah!" Angewidert spuckte er die Flüssigkeit aus.
"Was ist?"
"Club Mate hab ich gesagt. Club Mate. Das hier ist reiner Matetee, noch dazu von der billigen Sorte."
"Wenn es nur das ist... Aber mal im Ernst, was machen wir denn nun?"
"Die ganze Aktion ist doch von Anfang bis Ende schwachsinnig. Spitzel auf Rädern - die ticken doch nicht mehr sauber." Haxxxor schaute auf die Uhr. "Ich frage mich, was ich meiner Freundin erzählen soll."
"Sag ihr die Wahrheit." Platindämon grinste. "Habe ich gestern auch gemacht. Sie hat mich ausgelacht, mir eine geknallt wegen der blödesten Ausrede, die ihr jemals unterkam und spricht seitdem nicht mehr mit mir."
Haxxxors Miene gefror. Er stellte sein Rad an der Wand der Suppenküche ab. "Nachdem wir jetzt alle Nobelschuppen, Hotels und Bordelle abgeklappert haben, sollten wir uns jetzt auf das konzentrieren, was eventuell Anonymität bietet. Stundenhotels, Suppenküchen..."
"Brücken...", meinte Platindämon mit Grabesstimme und folgte Haxxxor in die Suppenküche. Anfangs hatten sie die Räder noch abgeschlossen, mittlerweile wussten sie, dass selbst Fahrraddiebe einen gewissen Stolz hatten und die Posträder nicht mal gegen Geld klauen würden.
Haxxxor mischte sich unter diejenigen, die für einen Teller Suppe anstanden und stellte wie üblich unauffällig seine Fragen. "Hey, haste den Finanzminister gesehen?"
Nach fast einer halben Stunde war er sich sicher, dass sie auch hier keinen Erfolg haben würden. Er ging zur Tür, als sich jemand ihm entgegenstellte. Der Mann war groß, verdammt groß. Er trug schwere Stiefel, enge Jeans und ein Shirt mit dem Aufdruck "Blood and ´onor" Und er sah nicht sehr freundlich aus.

>> Der Mann im grauen Overall


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