(Mrs.) Law and Order

"Na, das hat doch wunderbar geklappt." Barbara knallte zufrieden ein paar Ausgaben der Tageszeitung auf den Konferenztisch. Auf der Titelseite prangten Wellie und Bröckmann im Clinch.
"Ich dachte, er sollte mit irgendeinem Tänzer flirten, nicht gleich dem Journalisten in die Arme fallen."
"Ist doch egal - Hauptsache, die Presse ist beschäftigt." Barbara setzte sich und holte eine kleine Glasflasche mit einer unappetitlich aussehenden Flüssigkeit hervor.
"Was ist das denn? Eigenurin?" Gerhard wedelte mit seiner Zigarre.
"Also, wenn es das wäre, würde ich Barbara einen Gang zum Facharzt empfehlen." Oskar starrte auf die schmutzigblaue Flüssigkeit.
"Das ist eine Mischung aus Johanniskrauttee, Baldrianextrakten und Zypriessaft."
"Zypriessaft?"
Barbara zuckte die Schultern. "War wohl ein Tippfehler auf der Packung - ich nehme an, es ist Zypressensaft. Auf jeden Fall soll es die Weiblichkeit stärken."
"Gib das nicht dem Wellie," spottete der Innenminister und betrachtete stirnrunzelnd die Großaufnahme. "Mir sieht er etwas zu happy aus. Nicht, dass diese Leute ihn umdrehen. Ein Pamela-Anderson-Syndrom bei ihm wäre fatal."
"Pamela-Anderson-Syndrom?"
"Du kannst es auch Stockholm-Syndrom nennen. Na ja, dass die Entführte am Schluss ihren Entführern hilft - Du weißt schon."
"Ja, klar... aber Pamela Anderson? Das ist doch diese vollbusige Amerikanerin mit dem Schmollmund und dem Sexvideo."
"Oh", Oskars Stirn wurde noch mehr in Falten gelegt. Wie hatte ihm das passieren können? Vielleicht lag es daran, dass er es gestern nicht mehr ganz so befriedigend gefunden hatte, seine Kryptohandy-Sammlung anzusehen. Und dann dieser Traum von dieser Frau in der Lüneburger Heide... Oskar Capiscum schüttelte energisch den Kopf, um diese Gedanken zu vertreiben. "Also, Zeit für einen Check - wie sieht es aus?"

Gerhard zündete sich die nächste Zigarre an und reichte Krass Alda ein Papier. Dieser las es und warf sich in Positur. "Also, von Seiten des Kanzlers gibt es keine Neuigkeiten," verkündete der Regierungssprecher betont.
"Ich habe einen neuen Entwurf für ein Anti-Terrorgesetz erstellt," meinte Oskar stolz und zog das Dossier hervor.
"Das nennst Du Neuigkeiten? Da könnte ich auch sagen, dass heute die Sonne aufgegangen ist, wäre eine Neuigkeit." Barbara seufzte. "Leute, etwas mehr Disziplin hier. Das hier ist kein Kaffeekränzchen, das hier ist eine Krisenkonferenz."
"Ach, ich liebe es, wenn Du so energisch bist." Super-Clemens zog seine roten Socken mit rutschfester Sohle zurecht. "Dein Schimpfen klingt immer so dynamisch." Er versuchte einen Kick und fegte dabei das Kryptohandy des Innenministers vom Tisch. Oskar schrie auf.
"Oh", Clemens grinste entschuldigend. "Tut mir leid, ich order gleich ein neues Handy für Dich."
"Für Order bin ich zuständig," meinte die Justizministerin giftig. "Und mein Ressort gebe ich nicht ab. Aber kommen wir zurück zum Thema. Henry ist noch immer verschwunden, die Daten ebenfalls. Wir haben zwar durch Wellie eine Ablenkung, aber nichtsdestotrotz müssen wir Henry finden."
"Tot oder lebendig," las Krass Alda des Kanzlers Einwurf vor.
"Was machen denn die beiden Experten?"
"Sie suchen ihn - ohne Erfolg allerdings. Die Posträder sind übrigens in einem beklagenswerten Zustand. Gibt es keine anderen Fahrzeuge für die beiden? Was machen wir denn, falls Henry schon außerhalb der Hauptstadt ist?"
"Was ist mit Manni?"
"Manni? Oh!" Super-Clemens machte begeisterte Boxhiebe in die Luft. "Geniale Idee. Wir könnten Manni, Trautnichte und Hübschbohm anfunken."
"Je mehr Leute Bescheid wissen, desto größer ist das Risiko, dass etwas an die Presse sickert."
Clemens schaute Barbara bewundernd an. Hach, sie war nicht nur energisch, sie war auch noch klug. Er fragte sich, wie lange es dauern würde, bis sie bemerkte, dass er unter seinem Trikot abgenommen hatte.
"Die Presse hat mit Wellie und Bröckmann zu tun," meinte Mrs. Law. "Und wir haben einen Beobachter ins Internet geschickt - er beobachtet die Foren und diese diversen Nachrichtenseiten."
"Was ist mit den Filtern?"
"Busseau ist kontaktiert. Allerdings hat er versehentlich seine eigenen Mailfächer gesperrt, deshalb zieht sich die Sache hin."
"Und wer beobachtet die Foren?", fragte Krass Alda im Auftrag des Kanzlers.
"Jörg Eider-Dauss, unser medienpolitischer Sprecher." Barbara lächelte zufrieden. "Ihr seht, ich habe alles unter Kontrolle. Wie immer."
"Du solltest ein Patent darauf anmelden," schlug Oskar vor.
"Längst geschehen."
Krass Alda räusperte sich. "Der Kanzler hat noch eine Frage. Er möchte wissen, ob sich jemand um Hal Grafartos kümmert."
"Wer zum Geier ist Hal Grafartos?" fragte der Innenminister und wiegte sein beschädigtes Kryptohandy hin und her.

>> Widdatwatoddawadatwatt


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