Das bisschen Haushalt

"Der Finanzminister ist nicht zu sprechen." Barbara lauschte stirnrunzelnd, dann verdrehte sie die Augen. "Ich verstehe. Sagen Sie, wir melden uns in ein paar Minuten." Damit legte sie auf.
"Es ist dieser Enthüllungsjournalist. Er will unbedingt ein Interview mit dem Finanzminister."
"Hm...", der Innenminister legte die Stirn in Falten. "Aus Erfahrung kann ich sagen, dass er sich nicht so leicht abwimmeln lässt. Der ist auch hinter dieser Flugdatensache hinterher wie Henry hinter dem Ersparten."
Mrs. Law stand auf und betätigte den kleinen Notfallpieper, der diejenigen, die von Henrys Verschwinden wussten, kontaktieren würde. "Krisensitzung."

"Ich habe gesagt, wir rufen zurück.", berichtete Barbara kurz darauf in dem hermethisch abgeriegelten Raum. "Also haben wir eine kurze Gnadenfrist. Betonung auf kurz. Uns muss also etwas einfallen, wie wir diesen Geier von Henrys Fährte weglocken können."
"Wie wäre es mit irgendeiner kleinen Bombe?" Oskar holte sein Kryptohandy hervor. "Soll ich ein SEK benachrichtigen?"
"Oskar, ich sage es ungern, aber zur Zeit können wir uns keinen Skandal in dieser Art leisten. Falls Deine Jungs jetzt irgendwo was hochjagen, können wir die Wahl vergessen. Und was die Subtruppen angeht - über die ist zuviel bekannt."
"Ach, dieses dumme Internet. Was waren das noch für Zeiten, als es nur Zeitungen und Fernsehen gab, alles war viel einfacher."
"Setz da nochmal den Jupp drauf an, der hängt da in NRW sowieso gelangweilt rum."
"Den Buesseau? Ach, der ist immer so cholerisch und humorlos."
"Egal, ruf ihn an, der Wildwuchs da muss mal gestoppt werden. Er soll eine Pressemeldung rausgeben. Das lenkt außerdem ab."
"Und was machen wir mit dem Journalisten?"

Die Runde verfiel in angestrengtes Nachdenken. Super-Clemens bemühte sich so sehr, eine Lösung zu finden, dass seine Füße in den roten Socken unruhig zuckten. "Können wir ihm nicht einen Praktikanten schicken?"
"Einen Praktikanten?" Der Kanzler sah seinen liebsten Minister wohlwollend an. "Gute Idee, Clemens, wirklich super."
Clemens strahlte, bis ihn Barbara wieder auf den Boden der Tatsachen zurück brachte. "Es gibt keine Praktikanten, wenn es um Ministerposten geht."
"Oh...", Clemens verzog das Gesicht. "Das ist aber schade. Das müssten wir ändern - das wäre doch auch was für unsere "Agenda wannauchimmer".
"Praktikantenoffensive im Regierungsviertel," sinnierte Oskar. "Das hat einen etwas martialischen Touch, gefällt mir."
"Ich hätte gedacht, das bischen Haushalt kriegt auch ein Praktikant hin." Der Kanzler zog an seiner Zigarre. "Ach, da sind die Finanzminister wie die Weiber... immer wird wegen dem Haushalt gequengelt und gejammert."
"Ich habe die Lösung." Super-Clemens sprang auf und reckte die Faust in die Höhe. "Ein Skandal muss her - und zwar am besten ein Sexskandal."
"Und auf keinen Fall was, was mit Finanzen zu tun hat."
"Hm... eine Orgie könnte Chantal übel nehmen." Gerhard seufzte. "Sie ist da recht empfindlich."
"Dorit nicht?"
Einen Moment lang runzelte Gerhard die Stirn. "Ach so, Dorit..." Er schickte ein Lachen hinterher. "Ach, bei all den Namen kommt man ja durcheinander. Dabei ist sie erst meine siebte Ehefrau. Egal - Dorit nimmt das locker. Außerdem ist sie zur Zeit mit den Tieren und unseren Adoptiv-Elflingen gut beschäftigt." Er seufzte genussvoll. "Ach, wie ich mich darauf freue, in 18 Jahren dann meine eigene Fußballmannschaft zu haben."
"Erlebst Du das denn noch? Ich meine - wie alt bist Du eigentlich?"
"Jünger als unser Oskar hier."
Der Innenminister hob den Kopf. "Ich bin aber immer noch in Saft und Kraft," betonte er.
"Also - ein Sexskandal muss her." Mrs. Law strich sich über ihren Schenkel. "Aber glaubt nicht, dass ich mich opfere."
Die Tür ging auf, und Guiseppe Wellie kam herein, strich seine Haare zurecht und schlenderte zu seinem Sessel. "Ich bin zu spät. Pardon," meinte er geziert. Die anderen starrten ihn an, und der Kanzler begann zu lächeln.

>> At the Gay Bar


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