Wie würfelt man eigentlich Millionen?

"Experten... Experten.... wie zum Henker sollen wir Experten finden?"
"Woher bekommen wir die denn sonst?" fragte Super-Clemens vorsichtig und probierte einen Kick aus. Er wollte, wenn er irgendwann mal in seinem Kostüm vor das Publikum trat, fit sein. Und ein wenig wie Jean- Claude van Damme wirken.
"Keine Ahnung. Die kommen halt vorbei, sagen, dass sie Experten sind und gut. Hat bisher immer geklappt, finde ich."
"Na ja - bei der Sache mit den Autobahngebühren nicht so ganz."
"Ach, das ist Gerhards Schuld gewesen. Ich hab ja vorgeschlagen, dass einfach ein paar arbeitsscheue Gesellen mit ins Führerhaus klettern und Buch führen, aber da wir gerade mal Wählerstimmen brauchten, war die Regelung zu radikal."
"Könnte man nicht einfach eine Ausschreibung machen?"
"Dauert zu lange, außerdem ist die Sache geheim."
"Na und?" Sicherheitsberater Jakobs zuckte die Schultern. "Das kann man ja in der Anzeige erwähnen."

"Es gibt doch so viele Arbeitslose. Da werden doch ein paar dabeisein, die wir brauchen können."
"Und wie sollen wir die heraussuchen?" Der eiligst hinzugerufene Chef der Arbeitslosenagentur zuckte die Schultern. "Ich kann es nicht, ich bin momentan noch im Einsteigerkurs, was die Software angeht. Kapitel 5 übrigens - die Maus."
"Warum würfeln wir nicht einfach aus?" Super-Clemens hatte seine Kicks beendet und überprüfte seine Wadenmuskulatur. "Ich hab das bei der Verteilung der außerplanmäßigen Ausgaben auch gemacht - funktionierte wunderbar."
"Ja, aber Du hattest nur fünf Vorschläge - es gibt aber ein paar Millionen Arbeitlose."
"Tatsächlich?" Clemens starrte ihn an. "So viele?" Dann riss er sich zusammen und zuckte die Schultern. "Dann nehmen wir eben zwei Würfel."

Sie einigten sich darauf, dass sie pro Arbeitslosem ein Din A4-Blatt ausdrucken würden, Super-Clemens würde dann aus dem Wust zwei Blätter herausziehen. Die Expertenkomission zog sich ins Beratungszimmer zurück und öffnete zur Feier des Tages einen Chablis.

Einen Tag später war es dann soweit. Um alle Ausdrucke rechtzeitig zu schaffen, hatte man vorübergehend die anderen Rechner gestoppt, inclusive der Rechner, die für Anweisungen und Auszahlungen notwendig waren. Vor einigen Arbeitslosenämtern spielten sich leicht tumultartige Szenen ab, der Innenminister hatte bereits einen Einsatzplan vorbereitet. Aber immerhin hatte man jetzt von allen Arbeitslosen die Namen samt Beruf. Super-Clemens schwang sich mit wehendem Cape auf einen der Laster, die vorfuhren, und zog unter dem Applaus der Expertenrunde ein Blatt hervor.

"Ein Hauptgewinn!" jubelte er. "Es ist ein Computerexperte. Der wird einfach sein Programm schreiben und den Finanzminister finden, fertig."
Der Innenminister lächelte. Er spielte gerade Hangman auf dem Krypto- Handy und es sah nicht ganz schlecht aus - ein fünfbuchstabiges Wort und er hatte schon P-_-N-I-K. "Wir sind gerettet. Seht zu, dass er noch einen anderen von diesen Kräckern mitbringt."
"Flips." meinte die Justizministerin belehrend. "Flips, Oskar."
Dann schickte sie die Laster mit den überflüssigen Ausdrucken fort. Der Innenminister riet ein X, woraufhin sein Männchen starb. "Das Handy hat eine Fehlfunktion." sagte er empört. "Die sollen das mal auseinandernehmen."

>> Das dreckige Dutzend


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