Henry wird zur Chefsache

"Chefsache? Was heißt das eigentlich?"
"Das heißt, dass sich Gerhard drum kümmert, denke ich."
"Unsinn", Gerhard winkte ab. "das heißt, ihr kümmert euch drum und ich übernehme die Verantwortung." Er lachte sein dröhnendes Lachen. "Ich bin mit dem Staatsbesuch in China ausgelastet."
"Schon wieder einer?"
Gerhard nickte. "Ich hoffe, Alda kommt mit seinem Text für die Ansprache rüber. "Regierungssprecher Krass Alda kam, als hätte man ihn gerufen, ins Büro gestürzt.
"Ich denke, wir nehmen einfach die alte Ansprache noch einmal. Den Text, der über die Menschenrechte geht, habe ich etwas diplomatischer ausgedrückt."
"Was hast Du denn letztes Mal dazu gesagt?" erkundigte sich Mrs. Law interessiert.
"Ich glaube, dass China dort noch dazulernen muss oder so. Keine Ahnung. Wie geht der Text denn jetzt?"
Alda räusperte sich. "Ach ja... die Menschenrechte..." meinte er vage.
"Ja, die Menschenrechte. Wie heißt der Text denn nun?"
"Das war der Text." präzisierte Alda stolz. "Ich finde ihn sehr subtil und doch sehr direkt."

Gerhard übte es schon einmal. "Ach ja... die Menschenrechte..." Er schickte sein beliebtes Lachen hinterher. "Ach ja..."
"Äh, ja also? Das Lachen passt nicht so ganz."
"Aber die Leute mögen mein Lachen." Gerhard demonstrierte es erneut.
"Ja, aber man könnte denken, Du lachst über die Menschenrechte. Das ist schlecht fürs Image," wandte Alda ein.

"Macht ihr hier Front gegen mich?" Gerhard zog die Brauen zusammen. "Wenn ja, trete ich zurück."
"Wie wäre es mit: Ah ja... die Menschenrechte... aber das kriegen wir hin..." beschwichtigte Alda schnell.
Der Kanzler war zufrieden. "Aber zurück zur Chefsache. Was machen wir nun mit Henry?"
"Ach, es ist aber auch zu ärgerlich, dass auch Daten weg sind, sonst hätten wir einfach einen neuen Finanzminister gewählt."
"Minister werden nicht gewählt, sondern von mir ernannt." berichtigte Gerhard verschnupft.
"Ist doch gehupft wie gesprungen. Fakt ist, dass Henry weg ist. Und wenn ihn der Virus erwischt hat, haben wir ein Problem."
"Also benötigen wir Experten." Gerhard seufzte zufrieden. "Die müssen ihn finden. Fertig. Packt das in die Pressemitteilung."
"Das Ganze ist doch geheim." meinte der Innenminister irritiert, der noch immer versuchte, sein Kryptohandy zu nutzen. "Sagt mal, weiß jemand das Kennwort von dem Ding hier?"
"Na, 'Kennwort'. Wie immer."
Der Kanzler ging und hinterließ den Geruch einer nur halbgerauchten Zigarre. Er liebte Chefsachen.

>> Wie würfelt man eigentlich ein paar Millionen?


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