Im Bett mit Titty la Puss

Titty de la Puss wachte mit einem komischen Geschmack im Mund auf. Sie überlegte, ob sie gestern Oralsex gehabt hatte und es daran lag, aber dann fiel ihr ein, wo sie war. Nicht zuhause mit einem Mann, dessen Namen sie längst vergessen hatte, sondern bei "Supper-Biggy-Brotha", dem trendy neuen Format. "Supper-Biggy-Brotha" klang nicht nur cooler, es würde auch nie zu Problemen mit dem "Original" führen (Markenrecht und Verwechslungsgefahr etc.), hatte der Produzent erklärt, der Titty de la Puss bei Aufnahmen für einen Natursekt-Kalender entdeckt hatte. "SBB" war so etwas wie der Sex- Container. Neben dem üblichen Blabla und WG-Gehabe gab es eben Sex und alles, was damit zu tun hatte, der Hauptteil des Ganzen natürlich kostenpflichtig. Das hatte dazu geführt, dass sich sogar Adelige (oder so) und Anwälte an den Kosten des Formates beteiligt hatten.

Titty seufzte. Natürlich hatte sie keinen Oralsex gehabt, denn obwohl sich Tausende in die, in ihr Zungenpiercing integrierte (kostenpflichtige) Mundkamera, eingeklinkt hatten, als sie Heini, den arbeitslosen Kampf-Wellensittich-Trainer aus Görlitz oral befriedigte, hatte man die Eifersucht der Zuschauer unterschätzt. Heini flog sofort danach raus, bekam einen Vertrag für einen Schwulenkalender und kommentierte das Ganze mit "Tjoah". Titty hingegen wurde ab diesem Moment auf sexuelle Enthaltsamkeit gesetzt. Masturbieren hingegen war okay, und so verzeichnete die "SBB"-Gemüseindustrie einen schwunghaften Anstieg, was den Verkauf von Rettichen, kleineren Salatgurken und Auberinen anging. "Steck Dir den Rettich sonstwohin", war bei "Sex in dem Viertel" (der Emanzentalkrunde zu SBB) zu einem geflügelten Wort geworden.

Titty stand auf, ging pinkeln (nicht ohne dabei für die Toiletten- Sex-Liebhaber ein angemessen leidenschaftliches Gesicht zu machen), zog ihr Kostüm an und ging in die Küche. Ihr Kostüm bestand zwar nur aus zwei Belegkirschen und einem künstlichen Feigenblatt am Bindfaden, aber immerhin war es so jugendfrei. Titty schnappte sich eine Tasse Kaffee und dachte plötzlich, dass es vielleicht doch kein Zufall gewesen war, dass ihr Vertrag "Fährtrach" geheißen hatte. Sie fühlte sich an den Fährmann erinnert, der einen nach dem Tod übersetzte. Fast ließ sie die Tasse fallen.

"Oh mein Gott! Oh mein Gott!" dachte sie bestürzt und rief sich die Worte ihrer Mutter ins Gedächtnis: "Kind, werd mir bloß nicht intelligent, dafür haben wir kein Geld." Aber Titty wollte auch nicht intelligent werden, sie wollte nur vollbusig (ging von Natur aus) und berühmt (ging nicht von Natur aus) werden. Aber was passierte jetzt mit ihr? Sie sah die SBB-Zeitung an, dort waren ausgewählte Nachrichten, und Titty fiel ein, wie der Politiker auf der Titelseite hieß. Sie ließ die Tasse fallen. Dann fiel Titty selbst zu Boden.

>> Henry wird zur Chefsache


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