Ein Virus! Schließt die Türen.

"Was ist denn jetzt schon wieder?" Mrs. Law war verärgert. Gerade eben hatte sie für den nächsten Dialog mit dem Bürger ihre fünf Standardsätze geprobt, da klopfte es auch schon an der Tür. Für sie war das heute besonders ärgerlich, da es um ein von ihr favorisiertes Thema gehen würde: Sexualstrafrecht. Irgendwie fand sie es ab und zu recht erholsam, von Exhibitionisten und Voyeuren wenigstens reden zu können, wenn ihr eigenes Sexualleben sich schon auf das gelegentliche Anschauen der abendlichen Nackt-Tennis- Videos im Fernsehen erschöpfte. Aber das brachte der Job eben mit sich.

Das Klopften wurde lauter. "Ja doch. Herein." Sie drehte sich vom Spiegel weg und sah Super-Clemens hereinkommen, wie immer in seine rote Strumpfhose und den grauen Herrenbody gehüllt. Ganz hatte sie sich noch nicht an seine inoffizielle Superministerkleidung gewöhnt, aber vielleicht war sie auch einfach altmodisch. Clemens warf sein Cape über die Schultern und strich seine Schmachtlocke zurecht, die ihm seiner Meinung ein "Aussehen irgendwo zwischen Clark Gable und Superman gab".

"Mrs. Law, wir haben ein Problem." sagte er ernst.
Erst jetzt sah Mrs. Law Dr. Müller-Hinterfelder, den Arzt für alle Fälle. Der Tausendsassa mit dem Jack-Nicholson-Lächeln für Arme hatte vor kurzem erst zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Fußballbund-Präsident noch die Rolle des Arztes der Bundesregierung, der Nationalmannschaft und der Haustiere des Kanzlers übernommen. "Holy Shit", der Borderline-Terrier und Pussy, die Katze, hielten ihn nach eigener Aussage schon jetzt mehr auf Trab als die Nationalmannschaft in der gesamten Spielzeit (und das wollte bei den Verletzungszeiten was heißen). Müller-Hinterfelder sah diesmal etwas weniger jokerhaft aus, als er sich auf die Gästecouch setzte, Platz für Super-Clemens schaffte und erst einmal darauf wartete, dass Mrs. Law ihnen beiden ein Glas Riesling kredenzte.
"Gern auch etwas mehr." meinte Müller-Hinterfelder, trank den Wein auf Ex und nickte dann betroffen mit dem Kopf. "Es geht um Henry."

"Gerry", Super-Clemens zurrte sein Cape zurecht, "meint, es sei ein Virus."
"Ein Virus?" Mrs. Law riss erschrocken die Augen auf. "Ich wusste es ja, die Flips haben ihn. Bestimmt hat dieser chaotische Club ihn gefangen genommen und packt jetzt die ganzen Geheimnisse auf die Datenautobahn. War ja klar, dass sowas passieren würde. Wir müssen den Innenminister verständigen. Wir benötigen einen-"
"Langsam, langsam." Müller-Hinterfelder winkte ab, "kein Computervirus, ein richtiger Virus meines Erachtens."
"Dann schließt die Türen. Sofort." meinte Mrs. Law und weder Super-Clemens noch Müller-Hinterfelder wagten zu überlegen, was sie damit nun meinte.
"Er kam vor drei Tagen zu mir und war so seltsam. Ich meine, er stellte komische Fragen und sah so gedankenvoll aus."
"Gedankenvoll?"
Es klopfte erneut, und der Innenminister steckte seinen Kopf herein. "Ah, hier seid ihr." Er hielt ein Paket in die Höhe. "Mein neues Krypto- Handy ist da."
"Wir haben ein Problem." meinte Super-Clemens und wiederholte kurz, was Müller-Hinterfelder gesagt hatte.
"Er hat gefragt, ob es in Ordnung ist, wenn wir dem Volk vorenthalten, was wir wirklich tun und sprach das Informationsfreiheitsgesetz an, sprach von einem Antikorruptionsgesetz und von mehr Loyalität gegenüber dem Bürger."
"Oh mein Gott..." Der Innenminister sackte in sich zusammen. "Das Moralvirus hat ihn erwischt."
"Schließt die Türen." sagte Mrs. Law wieder.

>> Im Bett mit Titty de la Puss


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