Cindyherselfs Unendliche Geschichten
Die "unendliche Geschichte" von Michael Ende ist legendär. Doch auch die Gegenwart hat einige "neverending stories" parat - und das direkt unter unseren Augen. Manchmal fragen wir uns, warum niemand sich wehrt gegen die vielfältigen Entwicklungen, die in unserer Gesellschaft so geschickt salonfähig gemacht werden.
Behutsam folgt sorgsam geplant in wohl überlegten strategischen vermessenen Schritten eine Einführung nach der anderen. Daher gibt es bei uns ab sofort die redaktionell-kreative Kategorie "Unendliche Geschichten". Beginnen werden wir - aus aktuellem Anlass - mit der Biometrie.
Viel Spaß beim Lesen und Erkennen - und leben Sie mal wieder in der Geschichte, die Sie gerade lesen, ganz so wie der junge "Bastian" in Michael Endes "Unendlicher Geschichte"...

Die unendliche Geschichte Biometrie

Vorwort
Biometrie, also das Ausdrücken biologischer Lebens-Formen in messbaren Skalen und Werten, hat viele Facetten. Hier soll es daher insbesondere um den Aspekt der Maße des gläsernen Menschen gehen: Wie werden diese Maße genommen, welche Richtwerte finden Anwendung, wo und in welchem Umfang werden biometrische Informationen bereits im Alltag verwendet, wo ist deren Einsatz geplant und wo sollten die Grenzen zur Privatsphäre des Endverbrauchers entsprechend dem Grundgesetz neu und klar definiert und eingefordert werden.

Biometrie ist so alt wie der Mensch Biometrische Daten sind quasi so alt wie die Menschheit selbst. Wer sich mit sozialökonomischer Evolution philosophisch auseinandersetzt, dem begegnet Biometrie bereits in den sogenannten kleinen Unterschieden zwischen Mann und Frau: Mit-Glied ist der Jäger und Sammler, der Herr des Feuers und der Ernährer, mit Rundungen ist die Hüterin des Herdes, die Nestbauerin, diejenige, die Höhle, Haus und Hof zusammenhält, die Erzieherin.
Auch in der Religion sind biometrische Informationen durchaus bedeutungsvoll, man denke nur an die durch die Länge bzw. Beschaffenheit von Bärten zugemessene Würde, die Diskussion um Rasse und Herkunft, die traurige Würdelosigkeit über das frühe 20. Jahrhundert brachte oder auch die - quasi automatisierte Einstufung und Ersteinschätzung unserer Umwelt anhand biometrischer Merkmale wie Augenabstand, Mimik, Gestik, Sprechtempo, Gestalt und Erscheinungsbild und viele, viele weitere individuell ausgeprägte Attribute.

Biometrie zwischen Licht und Schatten Im Zeitalter der Informationstechnologien wird das Spiel mit Informationen zum verlockenden Abenteuer, denn digitalisiert auf die unbestechliche Ebene von Bits und Bytes heruntergebrochen, werden Informationen mengen- und behandlungsmäßig zu einer leicht verarbeitbaren Substanz. Sogar in diesem Moment spiegelt sich dies wider in dem mangelnden Unrechtsbewußtsein im Bezug auf den Umgang mit immateriellen Werten wie Informationen, geistigem Eigentum oder sogar beinahe greifbaren Daten wie die Abbildung eines Menschen. "Das kopier ich mir mal schnell" scheint das geflügelte Wort der Stunde, und der Einzelne scheint in der Tat keine großen Schäden damit zu provozieren. In genau dieser Konstellation zeigt sich, dass auch Kleinvieh Mist macht. Wenn eine ganze Generation sich eine CD kostenlos illegal privat kopiert statt den Datenträger käuflich zu erwerben, schadet das dem Interpreten durch den Ausfall millionenfacher Tantiemen ebenso wie der Musikindustrie und indirekt damit auch allen peripheren Bereichen.
Diesen Effekt des "immateriellen Unbewusstseins" in der Gesellschaft - wie wir das in der Redaktion kurzerhand getauft haben - machen sich einige zu Nutze. Die Gesetzgebung und Rechtsprechung ist dazu da, die Rechte unserer Gesellschaft zu schützen und im Missbrauchsfall einzufordern. Ältere wie aktuelle Schlagzeilen aus aller Welt sprechen eine andere Sprache...

Biometrie im Reisepass Am 1. November 2005 wurden in Deutschland die Reisepässe mit biometrischen Merkmalen eingeführt. Wer seit dieser Zeit einen neuen Pass beantragt, erhält das übliche Dokument mit einer neuen Identitätskarte, in der auch ein RFID-Funkchip enthalten ist. Auf diesem Speicherbaustein ist viel Platz für Daten wie Fotos, Maße, Stimmprobe und vieles mehr. Im Grunde ist die Kapazität des Speicherplatzes gerade mal angekratzt, jedoch liegt nahe, weitere Daten dort zu hinterlegen.
Darüber hinaus können die Daten vom Chip via Funk, also kontakt- und berührungslos übertragen werden. Der Inhaber des Identifikationspapieres muss ein Auslesen seiner Daten noch nicht einmal bemerken oder gar diesem zustimmen. Anders herum gesehen, kann der Passträger im Grunde nicht mehr selbst entscheiden, wem er seine Daten auf diesem Pass zugänglich macht. Sein "Recht auf informationelle Selbstbestimmung", das mit dem Volkszählungsurteil in den 80er Jahren gesetzlich verankert und eindrucksvoll bestätigt wurde, wird mit dem RFID-Biometriepass schlicht missachtet - und das vom Gesetzgeber.
Der Preis für den neuen Reisepass ist daher in vielerlei Hinsicht hoch: Neben der freien Entscheidung, wer seine persönlichen Daten abrufen - und unter Umständen sogar verändern - darf, trägt der deutsche Bürger auch mehr als doppelt so hohe Bereitstellungskosten. Besondere Schwierigkeiten macht auch das erforderliche Foto, das nun der Anforderung gerecht werden muss, ein individuelles asymmetrisches Gesicht in eine mittels Schablone vorgegebene symmetrische Matrix hineingezwängt zu werden. Eine schief gewachsene Nase, eine von Geburt an verschobene Gesichtsachse, kurz jegliche Asymmetrie, die die interessante Vielfalt menschlicher Persönlichkeit ausmacht, ist ab sofort unzulänglich und nicht länger verfahrenstauglich.

demnächst die Fortsetzung, u.a. dann mit diesen Aspekten:

Biometrie als Fahndungsmethode

Biometrie zur Zutrittskontroll
In Forschung und Wissenschaft ist die Zugangsregelung per Stimmmustererkennung, Fingerabdruck oder Irisscan längst Usus.

Biometrie und RFID

Biometrie - Chancen und Grenzen Im persönlichen Gespräch bestätigte erst Ende Oktober eine offizielle Stelle, dass eine Zusammenlegung vieler identifikationsgebundenen Systeme auf einer ID-Card längst behördlich bzw. regierungsseitig geplant ist. Zwar redet man in der Öffentlichkeit darüber bisher höchstens in Fachkreisen oder hinter vorgehaltener Hand, doch die Pläne sind bereits so konkret, dass Schalterbeamten diese Aussage eindeutig bestätigen können - und zwar als einen der nächsten Schritte, nicht als utopische Phantasie.
Was bedeutet das für den Menschen? Stellen Sie sich vor, Sie hätten alle Ihre wichtigen Daten über Ihre Person auf Ihrem RFID-Personalausweis gespeichert: die einmalige Personenkennziffer (PKZ, wieder eingeführt mit dem Steueränderungsgesetz 2003), Ihre Kontodaten (EC-/Kreditkarten werden überflüssig), Ihre Gesundheitsdaten (die Krankenversichertenkarte entfällt, ebenso das papiergebundene Rezept oder das Herumtransportieren von Röntgenbildern u.ä., kein Röntgen- oder Impfpass mehr, kein Bonusheft), Ihr Telefonguthaben (keine Telefonkarten mehr), Ihre Fahrerlaubnis (wozu noch eine eigene Karte mit sich herumtragen?), außerdem Ihre Versicherungskarte, Ihre Policen, Ihr ...

>> Bald: Die unendliche Geschichte der RFID-Chips
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