Cindyherselfs 7. Brief an einen Engel
Hallo mein lieber Engel,

wieder ist viel Zeit den Fluss des Lebens hinuntergeplätschert - obwohl es sich eher wie ein reißender Fluss anfühlte... Vieles bewegt mich, und an der Zeit, die inzwischen vergangen ist, kannst du gleichsam ablesen, wie turbulent die Zeiten geworden sind. Alles hat seine Zeit... Im Moment vergeht kaum ein Tag, an dem ich mir das nicht denke.

Meine ehemaligen Zukunftspläne sind inzwischen zur Gegenwart geworden, und ich arbeite mit Flei&slig; an ihrer Umsetzung. Leicht ist es sicher nicht, aber dennoch kann ich mich im Rückblick immer wieder an Teilzielen, die erreicht sind, erfreuen. Das macht Mut, weiter voranzugehen...

Vor einiger Zeit habe ich bemerkt, dass die wenigen Spuren, die Du mir gegeben hattest von Dir, verweht und von den Wellen der Zeit überspült worden sind. Sie sind einfach weg - und damit wieder ein Teil von Dir - der Löwenanteil von dem, was Dich für mein Leben ausmacht. Aber nein, das stimmt nicht ganz: Du hast mir Deinen sanften, starken Arm gereicht und mich geduldig aus dem Sumpf der Hoffnungslosigkeit gezogen, als ich selbst nicht mehr wußte, dass die Hoffnung tatsächlich ganz zuletzt stirbt.
Ein Trost ist mir geblieben: Unsere Vision, eines Tages gemeinsam auf einer Bank im Sonnenschein zu sitzen und uns daran zu erfreuen, dass auch wir uns ein zweites Mal begegnen... Ich hoffe, Dir geht es gut und Deine Umgebung ist glücklich - ebenso wie Du selbst!

Etwas macht mich derzeit mit jedem neuen Tag nachdenklicher: der Tod hinterlässt seine Spuren. Da gibt es Menschen, die schreckliche Verluste persönlich miterleben mußten, die Menschen sterben sahen und die nun diese Bilder kaum noch aus dem Herzen bekommen. Da gibt es Menschen, die am Ende eines langen, langen Lebens stehen und sich wünschen, "heim gehen" zu dürfen. Sie sind alt und lebenssatt und der Körper will nicht mehr so wie der immer noch frische Geist. Dann gibts noch die Menschen, die schon heute wissen, dass sie bald einen geliebten Menschen loslassen müssen.

So geht es mir. Ich frage mich, welche Dinge ich ungesagt gelassen haben werde, wenn Luise gegangen ist. Obwohl ich schon ein paar Jahre mit dem Wissen zu leben versuche, dass die Schöpfung früher oder später ihren Tribut auch von ihr fordern wird, fällt es mir doch schwer, mich an den Gedanken des Abschieds zu gewöhnen. Kann man sich daran überhaupt gewöhnen? Ich glaube allmählich, nicht. Es gilt wohl einfach, einem geliebten Menschen dann zu sagen, was einen bewegt, wenn man ihm begegnet. Ein Aufheben für später kann bedeuten, dass ihn das, was ich ihm sagen möchte, nicht mehr sagen kann. Das gilt für junge wie alte Menschen gleichermaßen.

Also nehme ich mir vor, die Menschen, denen ich begegne, noch wichtiger zu nehmen, noch mehr zu achten und gleich mit ihnen zu teilen, was ich habe oder was mich bewegt.

Be blessed.
Deine Cindyherself.


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